Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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259 K. Rotlmann", den wir allen Judenfeinden aufs angelegentlichste empfehlen. Es wird uns in demselben eine ähnliche Jdealgestalt wie Lessing's Nathan vorgeführt. — In Berlin ist bei Gebrüder Bsrträgrr, von Herrn K. Hehn, ein Buch erschienen „Gedanken über Goethe". Nach diesem Herrn trägt jetzt Frankfurt das „Joch der Judenschaft". „Wie wäre ihm (Goethe) zu Mute geworden, wenn er hätte voraussehen können, daß nach weniger als einem Jahrhundert seine Vaterstadt am Mainfluß eine preußische Landstadt werden würde! Und daß diese Stadt unter das harte Joch der Judenschaft geraten und dieses stumm ertragen würde! Welche dieser beiden Vorstellungen würde ihm widerwärtiger gewesen sein? Wir glauben die letztere." (S. 46.) Daß ein solcher Ton bei Gelehrten einreißt, ist auch ein Zeichen der Zeit. Herr Hehn ist auch Mitarbeiter an dem durch Herrn Prof. Ludwig Geiger in Berlin herausgegebenen Goethe-Jahrbuch. Dort wäre wohl der geeignetste Platz, Herrn Hehn zurechtzuweisen. — Der Verein der jüdischen Geistlichen in Amerika hat einen Preis von 200 Dollars für die beste Biographie von Leopold Zun; ausgesetzt. Die Arbeiten, welche in hebräischer, deutscher, englischer oder französischer Sprache abgefaßt sein dürfen, müssen bis zum 1. April 1889 an den Präsidenten des Vereins, Herrn Dr. G. Gottheil, Ukw-Horir, Madison Av. 181, oder an den Sekretär, Herrn Di°. F. de Sola Mendes, New-Iork, West 48th Str. 214 gelangt sein. Die preisgekrönte Arbeit bleibt Eigentum des Verfassers. — Daß die Znnssche Bibliothek, die nicht wenige Seltenheiten enthält, nach England auswandern müsse, wird jetzt in intelligenten Kreisen vielfach bedauert. Als seinerzeit die Michael-David'sche Bibliothek ungeteilt zum Verkaufe kommen sollte, bemühten sich auch erleuchtete jüdische Geister in Deutschland, dieselbe dem Vaterlande zu erhalten. Herr Chacham Bernays richtete Briefe an die bedeutendsten jüdischen Geldmänner, um zu diesem Zwecke 30,000 Mk. aufzubringen. Umsonst! er fand kein Gehör nnd die Büchersammlung wurde eine Zierde der Stadt Oxford. Kurze Zeit darauf kamen schwarze Schwäne nach Europa, es fand sich ein jüdischer Äeldfürst, der sie ankaufte, um sie einem Fürsten zu schenken. Herr Chacham Bernays erließ damals einen offenen Brief an den reichen Schwäneliebhaber, welcher mit den Worten schloß: „Hätten Sie gewußt, wie viele schwarze Schwäne Sie damals über das Meer schwimmen sahen, Sie hätten wohl anders gehandelt." — In Worms sollen die mit Staub bedeckten Bücher und Handschriften, welche sich in einem Raume über der Gemeindestube befinden, geordnet, gesichtet und durch de» Druck veröffentlicht werden. Unter anderen wurde auch eine alte Gemeinde-Ordnung aufgefunden. — Ein historisches Geheimnis über die Beziehungen zwischen Leibnih und Ipinoza wird durch in Hannover aufgefundene Briefe Aufhellung finden. — Die „Deborah" schreibt: Herr Di-. Rahmer, der Magdeburger Rabbiner und Herausgeber der „Israelitischen Wochenschrift", war der erste und eifrigste Vertheidiger und Anwalt des in Deutschland eingeführten B'ne Berith Ordens. Es gelang Herrn Di-. Rahmer, den Orden in weiten Kreisen bekannt und populär zu mache». Es hat sich aber im Laufe der Zeit die Sache so gestaltet, daß der Orden in die Hand der starren Orthodoxie tzerieth. Die gegenwärtige offizielle Vertretung mit den Herren Dr. Hildesheimer, S> Simmel, Berget, u. s. w. in ihrer Mitte ist in ihrer Majorität orthodox. Nun hat die Behörde dieses Ordens ein Rundschreiben an die Logen gerichtet, worin die „Israelitische Wochenschrift" auf den Index gestellt wird. Dr. Rahmer ist ein der heiligen Orthodoxie verhaßter Mann. Seine Organe sollen nicht als Exponenten des B'ne Berith-Ordens gelten. Das ist 22*