Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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257 war geboren zu Boskomitz im Jahre 1831. Sein Leichenbegängnis fand am 3. September statt. — Der jüngst verstorbene Geheime Commerzienrat Herr Moritz Limo» hat der jüdischen Gemeinde in Königsberg, deren erster Vorsteher er gewesen, sowie der Stadt große Summen letztwillig hinterlassen. Die Teilnahme um das Hinscheiden des in Ostpreußen hochverehrten Mannes, der den Armen und Bedrängten stets hülfreich beistand, war eine tiefgehende. Bei seinem Begräbnisse am 16. September schilderte Herr Rabbiner l)r. Bamlierger die Verdienste des Verstorbenen um die Provinz und die Stadt Königsberg, die ihm ein ehrendes Andenken sichern. Am 26. September widmete ihm der Vorsteher der Stadtverordneten, Herr Weller, einen ehrenden Nachruf. — Herr A. Schwerin, jüngst in Wiesbaden verstorben, hat 136,000 Mark letztwillig als Legate und Vermächtnisse bestimmt. — An die Universität in Niel wurde Herr Dr. Pappenheini als Ordinarius für deutsches Recht berufen. Daselbst habilitirte sich Herr Dr. Wolf für neuere deutsche Sprache uitb Litteratur. — Am 17. August wurde die erweiterte und renovierte Synagoge in Aordhaustn eingeweiht. — Der Ichochare-Tob Verein in Berlin erläßt einen Aufruf um Unterstützung zuin Bau einer neuen Synagoge. — In Alm wurde Herr I)r. Itteb, bisher in uatilwr, zum Rabbiner erwählt. — In Bad-Eins wurde eine Krankenkasse niit Namen „Emser Heilquelle" ins Leben gerufen, welche den Zweck hat, arme jüdische Leidende, die im Armenbade keine Aufnahme finden, zu unterstützen. — Der Rechtsgelehrte Audolf von Ohrring begieng am 22. August in Göttim en seinen siebzigsten Geburtstag. Er wurde auch vom Reichskanzler Fürsten Bismarck warm beglückwünscht. Von ihm stammt der Satz über die Juden: „Dem Volke, das unserer modernen Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpfte Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus dadurch, daß er beide ihm gegenüber verleugnet." — Der Erzbischof von München -Ireismy, Herr Dr. v. Strichele, dankte der jüdischen Deputation mit Herrn Rabbiner Di . Peries an der Spitze, die ihn aus Anlaß seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums beglückwünschte, und betonte die Zusammengehörigkeit des Judentums und Christentums. Er schloß mit den Worten: „Unsere Meister und Lehrer waren ja Israeliten und so lassen Sie uns denn ferner in Frieden znsammengehen". — Man schreibt uns aus Uieder-Weisel: Am 2. September behandelte der evailgelische Pfarrer Herr Bernhard dahier in seiner Predigt beim Morgengottesdienste das Thema der „Nächstenliebe". Wiederholt betonte er vor seinen Zuhörern die Nächstenliebe an jedem Menschen ohne Unterschied der Religion zu bethätigen, sei er Jude oder Christ. Jeder ist unser Nächster, Jedem sind wir verpflichtet, Liebe zu erweisen. Ueberhaupt hat dieser ehrwürdige Herr, ein noch junger, humaner, geistreicher Mann, schon oft in seinen Reden gegen den Judenhaß sich ausgesprochen. Mögen seine Worte auf fruchtbringenden Boden fallen und dazu beitragen, den verwerflichen Antisemitismus ausrotten zu helfen! — Gegenüber der Judenhetze der „Kreuzzeitung" richtet die „Aeitzer Zeitung", ein hervorragendes Organ der Zentrumspartei, an das katholische Volk die Bitte, die Hand abzulassen von der Judenhetze, sich an der Verfolgung der Juden in keiner Weise und keiner Form mehr zu beteiligen, damit mau nicht die Schmach erlebe, daß das in der Minorität befindliche katholische Volk, nachdem es jahrelang Bedrückungen, Verfolgungen und Zurücksetzungen erfahren und dieserhalb vor aller Welt Klage geführt hat, sich von den Kreuzzeitungsleuten und ungläubigen Judenhassern zur Hetze wider die Juden gebrauchen lasse. „Der Geisteskampf soll allein gelten, — so schließt das ultramontane Blatt — beflecken wir unser ruhmvolles Banner nicht durch 22