Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 des Kirchenvorstandes habe beschlossen, den Prediger der Deutschkatholiken nicht einzuladen, „um damit Zeugnis abzulegen", daß der Deutschkatholizismus als eine christliche Glaubensgenossenschaft von ihm nicht betrachtet werde. Darauf sei nun von der Minorität die Einwendung erhoben worden, daß dann auch der Rabbiner, der doch dein Christentume gewiß nicht angehöre, nicht eiugeladen werden könne. Daraufhin habe der Kirchenvorstand beschlossen, mich bitten zu lassen, nicht als Rabbiner im Ornat, sondern als Privatperson an der Feier teilzunehmen. Hierauf gab ich zur Antwort, daß ich als Privatperson mit der Feier nichts zu thun hätte und mich daher nicht beteiligen würde. — Nach einer ziemlich lebhaften Diskussion, in welcher ich meine Ueberraschung darüber aussprach, daß ein protestantischer Kirchenvorstand in solcher Weise eine Religionsgemeinschaft verurteile, und daß der Vorstand die Sache sich doch nochmals überlegen und den deutschkatholischen Prediger einladen möge, erklärten mir die Herren, daß dies eine vergebliche Mühe sei, indem der Vorstand von seinem Beschlüsse nicht abgehe und baten mich auf das dringendste, an der Einweihung teilzunehmen. Ich wies, jedoch diese Zumuthung ans das entschiedenste zurück. Wissen sie uns denn, rief der Kirchenvorsteher, keinen Ausweg, um aus der Klemme zu kommen, in welcher wir uns bestnden? Denn wir gestehen, daß Ihr Fernbleiben von der Feier für uns höchst peinlich sein würde! Bei dem Umstande, daß das erst vor wenigen Jahren beseitigte Schutzjudenwesen einem großen Teile der nassauischen Bürgerschaft überhaupt und den nassauischen Beamten insbesondere noch in den Gliedern steckte und man sich nur ungern an den Gedanken der bürgerlichen Gleichstellung der jüdischen Einwohner zu gewöhnen vermochte, hatte ich einen großen Wert darauf gelegt, bei der Einweihung der Kirche der Residenzstadt, bei welcher außerdem der Herzog als summus episcopus hervortrat, als Rabbiner und damit als offizieller Vertreter des Judentums zu erscheinen, um auf diese Weise die Gleichstellung der Bekenner des Judentums der Einwohnerschaft des Herzogtums auf das eklatanteste vor die Augen zu führen. Ich hatte mich darum entschlossen, den Herren einen Ausweg vorzuschlagen, indein ich ihnen bemerkte, daß ich aus unserer Besprechung entnommen hätte, daß der Kirchenvorstand dem Deutschkatholizismus nicht nur das Bekenntnis des Christentums, sondern das Bekenntnis einer positiven Religion überhaupt abspreche. Er erkläre also, daß er den deutschkatholischen Geistlichen nicht einlade, weil derselbe sich zu keiner positiven Religion bekenne, während dagegen der Rabbiner dem Judentume angehöre, das jedenfalls eine positive Religion sei. Ausgezeichnet! rief der Kirchenvorsteher. Ich werde morgen eine Sitzung des Kirchenvorstandes veranstalten und demselben Ihren Vorschlag unterbreiten. — Und am anderen Tage kam derselbe in Gemeinschaft mit dem Geistlichen zu mir und freudestrahlend reichte er mir die Hand mit dem Ausrufe: Herr Rabbiner, Sie sind uns auch in Ihrem Ornate herzlich willkommen! Daniit war die Sache abgemacht. Frankfurt a. M., Juli'1888. Süskind. Wonalsfchau. Am 1. September starb plötzlich Herr Rabbiner Di-. W. Fröhlich in Halle a. d. Haale. An seinem Todestage predigte und unterrichtete er noch. Er