Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 schiedenheit zu einer und derselben Konfession gehörig betrachtet und anerkannt werden müssen, wie ja auch seinerzeit bei der streitigen Frage des israelitischen Landesschulfondes, den die Orthodoxen geteilt wissen wollten, das Abgeordnetenhaus im Sinne der Einheit der jüdischen Konfession entschieden hatte. Das war ein Wort des Ministers für die Vereinigung und den Frieden in Israel, welches jeder aufrichtige Bekenner des Judentunis hochschätzen und beherzigen müßte, ein Wort, mit dem er die Ausgleichung und Versöhnung der getrennten jüdischen Gemeinden anbahnen und erzielen wollte. Die Orthodoxen remonstrirten gegen diesen Erlaß und bereiten sich jetzt zu einem Protest gegen denselben vor, erwägen aber nicht, welchen großen Schaden sie dem Judentitme durch die Aufrechthaltung und Verewigung der Trennung und Spaltung der Judenheit zufügen und welcher heilsame Erfolg durch die Verwirklichung der Idee Trefort's und die Beherzigung seines Ausspruches herbeigeführt werden könnte. Sagen ja auch die alten jüdischen Weisen: Gott im Himmel wird gelobt und gepriesen, sein großer Raine wird verherrlicht und erhöht, wenn Israel auf Erden gleichgesinnt ist in Rat und That, einig in Gesinnung und Bekenntnis, wenn ganz Israel einen Bund, einen Körper bildet, aber nicht getheilt und zersplittert ist, in Sondervünde und Sondergemeinden. Minister Trefort hatte die Absicht und die Hoffnung, die auf die Bethätigung dieses angeführten Gedankens hinweist, in seinem Inneren gehegt, wie er überhaupt stets kühne und weitblickende Pläne und Gedanken für die Wohlfahrt seines Landes in sich trug. Doch es war ihm nicht vergönnt, den ganzen Ertrag seiner Arbeit und alle Ergebnisse seines Wollens selber zu sehen und zu genießen, denn ihn traf, in seinem 72. Lebensjahre stehend, das unabänderliche Gebot, inmitten seiner Thätigkeit und auf der Höhe seines Denkens von hinnen zu gehen. August Trefort, möchte ich sagen, war nicht nur Kultusminister, sondern auch Kulturminister und trotz seines Heimganges hörte er nicht auf unter uns zu leben und thätig zu lein in seinen Ideen, Schöpfungen und Bestrebungen. So lange auf dem Gebiete des Vaterlandes Kultus, Kultur und Unterricht die bewegenden und beglückenden Elemente der Gesellschaft bilden und ihre Aufgabe erfüllen werden, werden die Worte des Dankes und der Anerkennung wiederhallen, die die Mitlebenden heute gerne dem Abgeschiedenen widmen, und auch die Nachwelt wird es nicht verabsäumen, pietätsvoll den Lorbeer des Ruhmes auf den Grabeshügel uiederzulegen, der einen der besten, weisesten und edelsten Männer deckt. Preßburg, 4. Oktober, 1888. Rabb. L)r. David. Wemiiliscerizen. «Schluß.) Ein weiterer Anlaß zur Abhaltung eines Trauergottesdienstes ist während meiner späteren Funktiouirung als Rabbiner gottlob nicht vorgekommen. Eine leicht erklärliche Jdeenassoziation ruft mir bei dieser Gelegenheit noch zwei andere Vorkommnisse ins Gedächtnis, die für die geehrten Leser dieser BlättekLebenfalls nicht ohne Interesse sein dürften. Am 19. Juni 1849 wurde die Einweihung der neuerbauten katholischen Kirche in Wiesbaden gefeiert. In dem gedruckt erschienenen Programme waren