Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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253 •A und verständigste Sorgfalt verwendet im Sinne der jüdischen Weisen, die da lehren: Die Welt beruht gleichsam auf dem Hauche der Schulkinder, d. h. die Gesellschaft kann nur dann auf einen festen Boden mtb auf eine sichere Zukunft rechnen, wenn die Unterweisung uub Bildung, die das Herz vor den rohen Attentaten des Religions- und Klassenhasses schützt, bereits bei den Kindern beginnt. Von der Wahrheit und Wichtigkeit dieses Satzes erfüllt, hat er sein Augenmerk stets auf Schulen und Lehrer gerichtet, suchte er unablässig den Jugendunterricht zu verbessern und zu erweitern, und sobald eine Schul- oder Unterrichtsfrage, sei es, daß sie eine jüdische oder nichtjüdische Anstalt betraf, seinen lebhaften Geist beschäftigte, verjüngte er sich, trotzdem bereits des Winters Schnee auf seinem Haupte lag, und zeigte sich als ein Mann, den Arbeit, Kampf und Wiederwärtigkeiten nicht zurückschreckten. Allein August Trefort hatte noch spezielle Verdienste um das Judenthum. Kein europäischer Minister hat der jüdischen Religionsgenossenschaft so viel Aufmerksamkeit und Thätigkeit entgegengebracht, wie der verstorbene ungarische Kultusminister. Der Kulturzustand der Inden in Ungarn und deren geistiges Niveau, die Organisation der Gemeinden und die Hebung des Rabbinerstandes bezog er in sein Wirken ebenso wie er auf die Lage der jüdischen Schulen und Lehrer sein Auge und seine Sorge gerichtet. Aus diesem Bereiche seiner Wirksamkeit ragen besonders drei Punkte hervor, die ihn unvergeßlich machen. Zuerst war es eine große Leistung, daß er die Landesrabbinerschule ins Leben gerufen. Der Außenstehende kann nur dunkel ahnen die fast unüberwindbaren Schwierigkeiten, die sich dieser seiner Schöpfung entgegeuthürniten; er aber verfolgte und vollführte seine Pläne unbekümmert um die auftretenden Hindernisse nnd bestrebte sich einen Rabbinerstand zu schaffen, welcher der Träger einer schönen Kulturmission im Lande werden und auf die gedeihliche Entwickelung unserer religiösen Zustände hinwirken könne. Fortan sollen die Rabbiner, die geistigen Leiter und Führer der Gemeinden, nicht bar aller modernen Bildung sein und dem Kulturleben nicht ferne stehen, wie dies von den Sendboten der Religion mit Recht gefordert werden muß. Zu gleicher Zeit ist unter seiner Aegide das israelitische Landes-Taubstummeu-Jnstitut entstanden, welches Heil und Segen verbreitet. Zum Zweiten hat er die jüdischen Gemeinden organisirt und die Matrikelbezirke bestimmt und festgesetzt, wobei er die Norm aufstellte, daß das Kriterium und der Mittelpunkt einer Gemeinde das Rabbinat bildet, daß von nun ab nur jene israelitische Kultnsgemeinde als solche anerkannt wird, die ein matrikelführendes Rabbinat besitzt, und daß demnach die Rabbiner den Geistlichen der übrigen Konfessionen gleichgestellt sind. Durch diese Organisation und die daran sich schließenden Verordnungen, welche die Gründung von neuen Gemeinden und den Austritt aus der G e in e i n d e fast unmöglich machen, hat er sehr viel zur Konsolidirung der jüdischen Religionsgenossenschaften beigetragen, hat er den Boden des religiösen Gemeinwesens fester gegründet, der Zersplitterung der Kräfte vorgebeugt, und zur Entwickelung und Stärkung der bestehenden Gemeinden den Grund gelegt. Endlich drittens hat er kurz vor seinem Tode die schöne That vollzogen und dem Judentum den schönsten Dienst erwiesen, indem er in einem Rundschreiben normirte und konstatirte, daß es im Sinne unserer Staatsgesetze nur ein Judenthum gebe und daß so wie man außerhalb des Vaterlandes nur eine jüdische Konfession kennt, auch in Ungarn alle Israeliten trotz der äußeren Ver-