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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-11-01 · Heft 11 (1.11.1888) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 11 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 erheben, seine Huldigung entgegenbringt, und es fordert daher von seinen Bekennern, daß sie ihre Augen und ihr Herz offen halten für alle Völker und deren Entwickelung, und gebietet ihnen besonders innige Teilnahme an dem Wohl und Weh, der Freude und der Trauer des Vaterlandes, auf dessen Boden sie leben und des Rechtsschutzes teilhaftig sind. Es wird darum begreiflich, daß das ungarische Judenthum auch den Verlust dieses hervorragenden Weisen des Landes aufrichtig mitempfindet. Daß August Trefort ein großer Mann >var, groß an Geist und reicher Erfahrung, groß an Erkenntnis, reich an gutem Willen, groß in seinem Berufe, reich in seinem Wirken, das soll hier nicht auseinandergesetzt werden; aber das mutz gesagt sein, daß er zum Cullus- und Unterrichtsminister der Begabteste und Geeigneteste war. Wer den verschiedenen Culten als Sachwalt vorstehen will, der muß außer dem Verständnis und Gefühl für die Religion und deren Bedürfnisse noch dreierlei besitzen: reiche Kenntnisse, milde Toleranz und liberalen Sinn. Minister Trefort entsprach diesen Vorbedingungen im vollsten Sinne. Durch sein tiefes, historisches Wissen und sein philosophisches Denken gewann er rasch einen richtigen Einblick in das Wesen der verschiedenen und eigenartigen Kulte und orientirte sich leicht in den konfessionellen Fragen, um seine Entscheidung auf sicherer Basis und gerechter Grundlage zu treffen. Mit seinem vielseitigen Wissen verband er auch jenen liberalen Geist, der nicht gebannt ist in den engen Schranken exklusiver Konfessionalität oder in den Fesseln alter und veralteter Grundsätze, und übte er jene Toleranz, unter deren Schirm jede Religion die gleiche Berücksichtigung und Würdigung genießt. Durch diesen toleranten Sinn war sein Wirken und Schaffen gefällig und, anerkannt bei allen Konfessionen, war er der freundliche und beliebte Minister für alle Religionsgesellschaften, und selbst diejenigen, die ihm als Widersacher hätten aufstehen wollen, wie die Jüdisch- Orthodoxen und die Ultramontan-Klerikalen, entwaffnete und besiegte er durch seinen versöhnend-vermittelnden Geist, weil sie alle erkennen mußten, daß er die Stärkung der Religion und die Festigung der Konfession als hohe Aufgabe seines Amtes betrachtete. Zeugnis dessen sagte er vor seinem Tode öffentlich folgendes: Viele krankhafte Zustände unserer Zeit könnten vielleicht nur durch die Religion, wenn auch nicht beseitigt, so doch gemildert werden, er wisse daher wohl, daß eine Gesellschaft ohne Religion nicht bestehen könne und wünsche daher das Ansehen aller Bekenntnisse aufrecht zu erhalten. Zeichnet sich aber ein Kronrath durch Liberalität und Toleranz aus, so kommt dies besonders den Bekennern des Judentums zn Gute. Denn das Judentum ist eine Pflanze, die nur im Lichte der Liberalität gedeiht und unter der Sonne der Toleranz sich entwickelt; es kann nur blühen und wirken, wenn Toleranz »nd Liberalität vorherrschend sind, Toleranz und Liberalität im Inneren, bei den Glaubeusbrüderil unter einander, Toleranz und Liberalität von außen, von der Umgebung. Von seinem segensreichen Wirke» als Unterrichtsminister haben die Juden ebenfalls den besten Gewinn erlangt, denn er zwang jede jüdische Gemeinde, die nur die Mittel dazu hatte, eine ordentliche Elementarschule zu errichten und subventionirte sie auch vom Landesschulfoude. Wer die Scheu vor der modernen Schule noch bei einem Teile der ungarischen Judenheit in manchen Gegenden des Landes kennt, weiß, welches Verdienst es ist, diesen Finsterlingen das Licht der Kultur aufzudrängeu. Der verstorbene Minister hat nicht nur auf die hohen und niittleren Bildungsstätten, sondern auch auf die Volksschulen seine eifrigste

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