Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 sich von dem ersten nicht trennen; man kann nicht mit gutem Rechte und Gewissen dem Hause Israel sich zuzählen, wenn man nur dem Namen und der Abstammung nach ihm angehört, aber nichts wissen will von seiner Lehre und seinem heiligen Glauben. Ein Ruhmesschmuck und Ehrentitel ist uns der Name Israels nur dann, wenn wir auch die Lehre Israels uns erhalten. Lassen wir nur wieder den Geist der Religion in uns lebendig werden, lassen wir das Feuer der heiligen Gottesbegeisterung wieder in unseren Herzen aufflammen, die Lichtsaat der göttlichen Wahrheit wieder in unseren Seelen emporblühen, den Stamm der Glaubenstreue wieder in unserem Inneren Wurzel fassen, dann werden wir schon sehen, wie es in uns und um uns sich wieder bessern, wie die Schmähreden unserer Feinde und Lästerer verstummen und unserem Namen die verdiente Ehre zu Teil werden wird. Wir leben in einer sturmbewegten Zeit, in der Flut des öffentlichen Lebens, da tobt und stürmt es manchmal gar heftig. Das Schifflein Israels wird von gewaltigen Wogen umhergeworfen. Man denkt schon an seinen Zusammenbruch, an das Scheitern unseres Bestandes inmitten der Klippen, die drohend uns vor Augen stehen. O möge da nicht das Wort von uns gesagt sein: „sie schlafen und schlummern," sie thun, als ob sie das nichts anginge, sie kennen ihre Vergangenheit nicht, sie kennen ihre Zukunft nicht, sie sorgen nicht für die Rettung ihres Daseins! Noch haben wir das erprobte Steuerruder, das uns schon durch manche wogende Strömung den Weg gebahnt hat; noch haben wir die Religion, die uns erhalten hat und erhalten wird, wenn wir sie uns nur zu erhalten suchen. Lassen wir uns diese feste Stütze unseres Bestandes nicht nehmen, untergraben wir sie nicht mit eigener Hand, indem wir das Judentum seines inneren geistigen Gehaltes berauben und es zur leeren Form machen und zum nichtigen Scheine herabsetzen. Unsere Losung sei und bleibe für alle Zeiten: Ich bin ein Hebräer, ich bin ein Sohn Israels, ich bekenne mich zu meinem Gotte, ich bleibe ein treuer Diener des Ewigen, des großen Schöpfers und Weltenherrn, dessen Lob und Preis ertönt durch alle Lande und Meere. Leopold Komperl als jüdischer Keschichlschreiöer. Vortrag, gehalten im Saale des Brüdervereines in Berlin am 20. Februar 1888, von vr. Joel Müller, Docent für die rabbinischen Wissenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. (Fortsetzung.) Bei den Darstellungen Komperts wird man oft an die alte jüdische Geschichtschreibung erinnert. In den altbiblischen Berichten sind es eben die lebensvollen Gestalten, die rins so mächtig anziehen. Die vollendeten Zeichnungen der hervortretenden Gruppen rücken das eigentlich Historische, die Einwanderung des Patriarchen in Kanaan, die Uebersiedlung des Stammes nach Egypten, ja selbst die Befreiung des Volkes von dem Tirannendrucke, das so deutlich hier hervortritt, doch nur im Gewände oder in Begleitung von Charakterzeichnungen unserer Teilnahme so nahe. Und wer bewundert nicht die herrliche Rut-Jdylle, in welcher die reinsten, zartesten Töne des Volkslebens erklingen, um das Stammhaus des jüdischen Fürstengeschlechtes nach seinen Ahnen zu nennen, oder die markigen Geschichten aus dem Buche der Richter, welche das Volksleben sich so frei und breit entfalten lassen.?