Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 treibt sie nicht zum wenigsten dazu der Aerger über die unvergleichliche unvergängliche Hoheit, die er uns mit all den großen Erinnerungen, die sich an ihn knüpfen, in ihren Augen verleiht. Lassen wir sie aber nur höhnen und lästern, sie werden die Wahrheit aus der Welt nicht zu tilgen, sie werden die leuchtenden Denkmäler unserer Vergangenheit nicht umzustürzen, sie werden das lautredende Zeugnis der Jahrtausende nicht hinwegzuschaffen vermögen und unbeirrt von dem grimmen Neide, von dem schmähsüchtigen Hasse, von dem blinden Vorurteile, dürfen wir, auf gerechtes Selbstbewußtsein gestützt, es vor aller Welt gerne bezeugen, daß wir dem Hause Israels angehören, und in diesem Bewußtsein Freude und Hoffnung empfinden. Und doch! müssen wir uns sagen, daß dieser ruhmreiche, glanzvolle Name nichts mehr als ein leerer Schall und nichtiger Schatten für uns sein würde, wenn wir nicht mit dem Propheten auch das Bekenntnis hinzufügen könnten: Ich bin ein treuer Gottesbekenner, ich verehre den ewigen Weltenherrn, den großen Schöpfer und Lenker, dem Alles im Himmel und auf Erden unterworfen ist. Nicht die Abstammung ist es, die uns zu wahren Israeliten macht, sondern die Religion. Es mag uns ja immerhin zur besonderen Ehre gereichen, daß wir die Söhne und Töchter großer Vorfahren sind, aber wenn wir nicht selbst auch das unsrige dazu thun, uns ihrer würdig zu machen, uns die angestammte Gottergebenheit und Glaubenstreue zu wahren und den hohen Pflichten gerecht zu werden, deren Erfüllung der heilige Beruf Israels von uns fordert, so schwindet diese Ehre und wir können nichts dagegen sagen, daß sie in Schmach verwandelt, daß der Name Israel von unseren Feinden uns zum Vorwurfe gemacht wird. Je feiner und kostbarer das Gewand ist, das man trägt, um so mehr muß man darauf sehen, daß es nicht befleckt und verunstaltet werde. An Israel, dem die Religion ein so herrliches Ehrenkleid verliehen hat, wird jeder Fehler, den man an ihm wahrnimmt, genauer beobachtet, schärfer gerügt, strenger beurteilt, und wir müssen deshalb schon um so sorgsamer darauf bedacht sein. Alles von uns fern zu halten, was uns in den Schatten stellen könnte. Ja, die gewissenhafte Selbstachtung muß es uns auch gebieten, den Namen, den wir tragen, auch durch unser Thun zu Ehren zu bringen. Ebenso wie es thöricht ist, sich seines jüdischen Namens zu schämen, weil die Gemeinheit ihn zur Zielscheibe ihres Spottes gemacht hat, ebenso thöricht ist es, mit ihm groß zu thun, ohne ihn durch die eigene Gesinnung und That zu rechtfertigen. Sich stolz in die Brust werfen und ausrufen: ich bin ein Jude, ich gehöre dem ältesten Volke der Geschichte an! das kann am Ende jeder, der aus unseren Reihen hervorgegangen ist, dazu braucht man nur einem jüdischen Hause zu entstammen; das können auch die Frevler, die Gottlosen in Israel, die Verächter der Religion, denen aller Glaube fehlt, denen keine Wahrheit gilt, denen nichts heilig ist, denen alles gleichgiltig bleibt, alles nichtig erscheint, was den Geist zur Betrachtung des Göttlichen und Ewigen erheben soll. Aber es ist anmaßend und lächerlich, ein Hohn auf unseren Glauben, mit solchem leeren Schein und Dünkel zu prunken. Da wird ja auch an dem Judentum Alles vermißt, was ihm göttlichen Inhalt verleihen soll und die Berechtigung seines Bestandes. Ich bin ein Hebräer! dieses Wort allein hätte dem Jona noch lange nicht die Achtung verschafft, die seine Reisegenossen auf dem Schiffe ihm entgegenbrachten; erst als er sich näher erklärte, als er ihnen zurief: Ich bin ein Diener des Ewigen, ein Bekenner des Einen Gottes, ich glaube an den großen Schöpfer und Erhalter des Weltalls, erst da lesen wir, daß die Schiffsleute sich sehr fürchteten, Hand an ihn anzulegen, und daß großes Ansehen in ihren Augen ihm zu Teil wurde. Ja, das zweite läßt