Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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247 ich bete den Einen Weltenherrn an, der da herrscht über Land und Meer und gebietet über alle Zeiten und Fernen. Nicht auf seine Abstammung allein beruft er sich, sondern zugleich auf.seinen Glauben, denn wenn es die Religion nicht ist, die uns adelt und hochstellt, so kann auch die Herkunft von dem Hause Israels, das Gott zum Träger seiner Lehre erkoren hat, uns nicht zum Ruhme gereichen. Wir lernen aus diesem Verhalten des Propheten, der inmitten einer fremden Umgebung sich ungescheut als einen Sohn Israels und ebenso als einen Verehrer des Einen Gottes sich bekannte und dadurch Ehre und Ansehen sich erwarb, wie auch wir dem Namen Israels nur dadurch, daß wir selbst ihn hvchschätzen, nach außenhin Achtung verschaffen und daß nur, wenn mit unserem jüdischen Selbstbewußtsein auch die jüdische Glaubenstreue sich verbindet, uns die gerechte Würdigung und Anerkennung zu Teil wird. Wir haben keine Ursache, den Name», den unsere Abstammung uns verleiht, den wir von unseren Vorfahren ererbt haben, vor den Menschen zu verbergen und zu verleugnen. Israel ist unser Ehrenname, der an den Geistesruhm, an die Gottestrcue, an den Edelsinn, an den Duldermut unserer Väter, an ihre unvergleichliche Hingebung in der Erforschung und Erfüllung der göttlichen Lehre uns erinnert, und wenn wir mit dem Propheten es offen und laut bekennen: Siehe! ich bin ein Hebräer, ich bin ein Sohn des Hauses Israel, so schmücken wir uns mit dem Glanze jener Geistesherrlichkeit, die in Israel ihre erste Heimatsstätte gefunden und von da in die weite Völkerwelt hinausgestrahlt ist. Wo ist auch noch ein zweites Volk, das in eine so lichtvolle Vergangenheit zurückschauen, das auf eine so glänzende Reihe von Männern Hinweisen kann, die, von Gottes Geiste beseelt, uns die Weisheit aller Zeiten verkündet, uns die Schätze des ewigen Heiles erschlossen haben? Wo ist noch ein Volk, dessen Geschichte bis in den Anfang der Zeiten zurückreicht und von da an stets Lichtgestalten, zu denen alle Menschheit verehrungsvoll emporblickt, uns vorführt? wo ist noch ein Volk, das von den ersten Zeiten seines Daseins an sich dem Dienste des Einen Gottes geweiht, das die Erhaltung der wahren Gotteserkenntnis sich zu seinem alleinigen Berufe gemacht, das einem hohen Gedanken nachgelebt und dadurch ein unvergängliches, ein allen Mächten der Vernichtung widerstehendes Dasein erlangt hat? Wo ist ein Volk, das für die Menschheit so viel gethan, so viel gelitten, das auch im tiefsten Elend und mitten unter den schwersten Verfolgungen so auf der Höhe des erhabensten Geistesstrebens sich erhalten, so sorgsam die Schätze der Erkenntnis und der Tugend gehütet hat, als Israel? Finsternis bedeckte die Erde, in Nacht und Dunkelheit irrten die Völker dahin, doch in Israel leuchtete bereits in hellem Tagesglanze die Sonne des göttlichen Lichtes, ihni war längst der Morgen der erhabensten Gotteserkenntnis aufgestrahlt. Sollten wir einer solchen Vergangenheit uns nicht rühmen dürfen? sollte der Name Israel, in dessen Klange die Ruhmesstimmen von Jahrtausenden wiederhallen, uns nicht zur höchsten Ehre und Zierde gereichen? sollten wir da nicht mit gerechtem Stolze, mit tiefer Befriedigung ausrufen können: Ich bin ein Hebräer, ich gehöre dem Volke an, das Abraham seinen Vater, das Moses seinen Lehrer nennt, dem Volke, dem die heilige Schrift, das Buch Gottes, das Buch der Welt, gegeben, dem die höchste Sendung inmitten der Menschheit verliehen worden ist? Gewiß! wir haben alle Veranlassung da^u, uns den Namen Israel, den zwar nicht blutiger Waffenruhm, aber umsomehr lichte Geistesgröße schmückt, zur höchsten Ehre anzurechnen, wir werden um denselben auch vielfach beneidet und wenn unsere Feinde alle Anstrengungen machen, ihn der Schmach und Erniedrigung preiszugeben, ihn von der Erde hinwegzulöschen, so