Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969766--2405-2972587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
246 verehrt sein will! wir stehen vor dem himmlischen Richter, der nicht auf den trügerischen Schein, sondern auf die innere Wahrheit achtet; zu ihm wollen wir heute zurückkehren, zurückkehren nicht blos in Worten, sondern auch im Herzen und in der That! II. Selbstachtung und Glaiibenstrene. Vier Fragen richten die Männer, die mit Jona in dem sturmumtobten wogenumbrausten Schiffe sich befanden und in Angst und Bestürzung jeden Augenblick den Untergang ihres Fahrzeugs befürchten mußten, an den ihnen bisher noch unbekannt gebliebenen Mitreisenden, den das Los als die Ursache ihres Unglücks bezeichnet hatte. Was, fragen sie, ist dein Geschäft, woher bist du gekommen, welches ist dein Heimatsland, welchem Volke gehörst du an? Der Prophet hat aber auf alle diese Fragen, mit welchen seine Reisegenossen sich an ihn herandrängen, nur e i n e Antwort, die da lautet: Ich bin ein Hebräer, ein Sohn Israels, und den Ewigen verehre ich, den Einen Gott im Himmel, der das Meer und auch das Festland gemacht hat! Diese Auskunft mußte allerdings mangelhaft erscheinen, sie enthielt nur den geringsten Teil von dem, was man zu erfahren erwartet hatte, aber sie genügte; Jona hatte doch erklärt, wer er sei, und das auch mit einer Bestimmtheit, mit einem Nachdrucke, mit einer so bedeutsamen Hervorhebung der Denk- und Glaubensrichtung, in der er erzogen und aufgewachsen war, daß die Schiffsleute nicht nur jede weitere Nachforschung unterließen, sondern jetzt mit unverhohlenem Staunen vor ihm dastanden. Sie fürchteten in diesem Augenblicke nicht den rasenden Sturm, nicht das brausende Meer, nicht den nahenden Untergang, ihre Furcht galt dem Fremdling aus dem Lande der Hebräer, ihm, der doch ganz in ihre Hände ausgeliefert war und bald selbst sich dazu bereit erklärte, sein Leben für ihre Rettung zum Opfer zu bringen. Ja, sie fühlten es, daß sie da einen Mann vor sich haben, der nicht ihresgleichen ist, Jona erschien ihnen nicht als ein gewöhnlicher Mensch, wie man deren allerorten anzutreffen pflegt, sie sahen in ihm ein höheres Wesen und es hielt daher eine innere Scheu sie davor zurück, an ihn Hand anzulegen, bis er es dann selbst ihnen gebot, die erregte Flut durch seinen Tod zu beschwichtigen. Was verlieh aber dem Jona dieses hohe Ansehen, was machte ihn in den Augen der Schiffsleute so groß und verehrungswürdig? Nichts anderes als das Wort: Ich bin ein Jude, ich bin ein Bekenner des Einen ewigen Gottes, den ich als den Schöpfer des Weltalls verehre. Damit hatte er seinen Beruf bezeichnet, seine Heimat genannt, seine Herkunft erklärt, seine Lebensstellung zu erkennen gegeben. Da war jede weitere Frage überflüssig, da war Alles gesagt, was man über den unbekannten Fremdling erfahren wollte und Alle wußten es, daß da ein Mann in ihrer Mitte sei, dem man nichts Böses anhaben, nichts Böses zumuten könne, dem, wenn er auch noch so hilflos und machtlos dasteht, alle Ehre und Achtung gebühre. Ich bin ein Hebräer, ruft Jona aus, er macht aus seiner Herkunft kein Hehl, er verleugnet seine Abstammung nicht; ob sie ihn deshalb hassen oder lieben, ob sie ihn dafür achten oder geringschätzen werden, er erklärt es den Fragenden ganz offen und deutlich, daß er ein Abkömmling des Stammes Israel sei. Und damit nicht genug! er fügt noch hinzu: Ich bin ein Bekenner des Einen Gottes,