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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-11-01 · Heft 11 (1.11.1888) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 11 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 lasset die hochfahrenden Redensarten, denn es ist ein Gott, dessen Weisheit über euerem Menschenwissen hoch erhaben ist, es ist ein Gott, der euere Herzen prüft und euer Thun erkennt! Worte und nichts als Worte sind es, mit denen wir auch heute unserem Gotte entgegenkommen; es ist eine wahre Sturmflut von Gebeten, die sich an den heiligen Tagen in den Himmel ergießt. Ob sie aus unserem inneren Herzensquell hervorströmen, ob in den Worten unseres Gebetes auch die Stimme unserer Seele mitklingt, ob wir bei der Anrufung des Weltenherrn auch mit unserem Fühlen und Denken beteiligt sind, oder ob das Alles auch nur Schein und Form ist, was uns gewissermaßen vor dem Ewigen, dessen Segen und Gnade wir für die kommenden Zeiten erflehen, das Ansehen der Frömmigkeit und Gottesfurcht verleihen soll? Nun, soviel wird uns doch klar sein: Gott täuschen wir nicht, er kennt uns, kennt unsere Gedanken und Absichten, und mit leeren Worten, mit Gebeten, die unser Verlangen zum Himmel emportragen, aber in unserem Herzen keinen tieferen Eindruck zurücklasseu, ist dem Ewigen nicht gedient. Und wenn wir fragen, was er denn sonst von uns verlange? so antwortet uns der Mahnruf des heutigen Tages: Weniger Worte und mehr Thaten! Die Buße, die dich vor dem Ewigen rechtfertigt, besteht nur in deinem besseren Thun, in deinem zotige» weihten Wirken. Da versprechen wir — wenigstens in unseren Gebeten — allem Frevel zu entsagen, alles Unrecht wegzuschaffen, alle Sünde abzuwerfen, alle Tugend auszuüben, alles Edle zu stützen und zu fördern und was kommt von allen diesen Versprechungen heraus? so viel wie nichts! Es lassen sich ja alle diese Bußbekenntnisse und Gebetsversprechungen gar so schön hersagen, sie lesen sich recht prächtig, aber sehen wir dann, was nach dem Allem geworden ist, da werden wir es uns wohl gestehen müssen, wir haben viel versprochen und wenig gehalten, „unsere Worte waren Riesen, aber unsere Thaten sind nur Zwerge!" Ja, wenn wir nur die Hälfte von dem zur Wahrheit machten, was wir da sagen — und es wird ja auch im Ganzen nicht mehr verlangt, als was eben der Mensch als solcher zu leisten vermag — welch ein heilsamer Umschwung zum Besseren würde sich da in unserer Mitte vollziehen! wie würden da so manche Schatten, die das Licht unseres Geisteslebens trüben, die unser Ansehen in der Menschheit verdunkeln, wieder entschwinden! Sehr richtig bemerkt in diesem Sinne einer unserer Weisen: Würde das Israel, das seine Bußtage so strenge hält, auch nur in einer Stunde ernstlich Buße thun, dann wäre auch schon die volle geistige Erlösung für uns da und wir müßten nicht erst einer fernen Zukunft entgegenharren, in der wir dieses Ziel zu erreichen hoffen. Denn die Umkehr des ganzen inneren Menschen, das ist, wenn wir wollen, das Werk eines Augenblicks und wenn wir dieses Werk, vollbracht haben, wenn unsere Buße nicht in leerem Lippendienst, sondern in ernster Herzensarbeit bestanden hat, dann haben wir unser ganzes Streben auf einen anderen Boden gestellt und haben die rechte Erkenntnis und Gesinnung erlangt, die uns für die Zukunft zur festen Lebensstütze wird. Wirksame Buße, thatsächliche Bekehrung ist es, die uns das Wohlgefallen Gottes erwirbt und die Segenssaat der heiligen Tage in das weite Feld des Lebens verpflanzt. Wahre Buße, die die Besserung des Herzens bedeutet, die von guten Thaten begleitet wird, die ist ein Schild, der uns gegen alle Mächte des Verderbens schützt, ist die Waffe, mit der wir uns den Sieg über die Sünde erkämpfen. Lassen wir es daher nicht bei den frommen Worten bewenden, bei den vielen Gebeten, in den wir unsere Wünsche und Bekenntnisse vor dem Ewigen aussprechen! wir stehen vor dem allwissenden Gotte, der in Sinn und Seele von uns

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