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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-10-01 · Heft 10 (1.10.1888) · p. Seite 233

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (1.10.1888)
Date
1888-10-01
Page
Seite 233 (sequence 17)
Language
German
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— 233 — Gabriel Rießer in vier Bänden verewigt und meisterhaft über die Entstehung der Hamburger israelitischen Gemeinde geschrieben habe. Sein wahrer, bescheidener und tugendhafter Charakter habe ihm in den vornehmsten Kreisen zahlreiche aufrichtige Freunde erworben, und sein Name sei durch sein immenses Wissen weit berühmt geworden. Die Zuhörerschaft war tief ergriffen durch die Schilderung dieses seltenen, idealen Charakters. Am Grabe auf dem Friedhof in Ohlsdorf fand nach Recitation der üblichen Gebete die feierliche Einsegnung durch Herrn Dr. Leimdörfer statt. — In Helhingen starb der Vater des berühmten vielfachen Millionärs Nelson Morris in Chicago, Herr Jalomon Baifinger. Der Sohn wird zum Andenken an seinen Vater Stiftungen zu Gunsten der Armen der Stadt Hechingen ohne Unterschied der Konfession gründen. — Am 10. August starb in Heidelberg der Historiker Herr Georg Weber, der auch über die Geschichte der Juden und über die Entstehung des Christentums vielfach geschrieben. — Am 21. August waren es fünfzig Jahre, seitdem Adalbert von Chamisso gestorben. Er war ein großer Freund der Juden und trat für dieselben in Wort und Schrift ein. Er stand in freundschaftlicher Beziehung zu einem jüdischen Talmudgelehrten. — Dem Königlichen Museum in Berlin wurde von Herrn Bimon daselbst in Babylon aufgefundene Thontafeln, aus dem fünfzehnten Jahrhundert v. Ehr. stammend, zum Geschenk überwiesen. — Die Bibliothek des sel. Dr. Jiun), welche 3500 Denkwerke und viele Manuskripte enthält und sich im Besitze der A. Kauffmann'schen Buchhandlung zu Iranlrfurt a. M. befindet, ist durch Herrn Dr. Gaster aus London für das Kamsgate College erworben worden. Es bleibt eine Schmach für die deutsche Judenheit, daß diese Schätze ins Ausland wandern müssen. — Nach einer Mitteilung in Smalley's „Kosten des Evangeliums" kostet im Durchschnitt ein Jude, der für eine der reformierten Kirchen gewonnen wird, 2800 Dollars, ein Chinese 100, ein Japanese 80, ein Ostindier 60, ein Spanier 55, ein Italiener 42 und ein Afrikaner 14 Dollar. Man sieht die Juden sind in der Menschheit noch immer teuer und hochgeschätzt. — Die Dortmunder Zeitung, ein antisemitisches Organ, beklagt sich darüber, daß die Juden bei einer Konventionalstrafe vvn Mark 500 sich dahin geeinigt haben, bis zum 1. Januar 1889 diesem Blatte keinerlei Annoncen aufzugeben. — In einer sozialdemokratischen Wahlversammlung am 9. August in Berlin erklärte der Schriftsetzer Werner, daß die Arbeiter mit Entrüstung auf die Judenhetzereien herabblicken. Die Arbeiter treten für die volle Gewissensfreiheit rückhaltlos ein, sie verlangen volle Gleichheit für jeden, der ein Menschenantlitz trägt; sie kennen keinen durch das religiöse Bekenntnis zu statuierenden Unterschied zwischen Mensch und Mensch. — Bischof von Meckert aus Pafiau, welcher eine längere Badekur in Wildbad gebrauchte, hat kurz vor seiner Abreise von dort Mark 15000, mit der Bedingung gestiftet, daß für die Zinsen jährlich sechs arme Bayern in das Wildbader Katharinenstift aufgenonimen werden. Die Verleihung der Zinsen soll ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses erfolgen. — Eine höhere Schulbehörde in Preußen erwiederte jüngst einem jüdischen Kandidaten des Schulamtes, der sich wegen Ablegung des Probejahres an dieselbe wandte, in einem Schriftstücke, daß in Rücksicht auf seine Konfession, die er anzugeben vergessen, — Zeugnisse lagen bei, aus denen dieselbe klar hervorging — sein Gesuch nicht berücksichtigt werden könne. — Am 27. Juli wurde die gesamte sechste Auflage des bei Herrn Theodor Kitsch in Leipzig erschienene „Antisemiten-Katechismus" behördlich mit Beschlag belegt, weil man in verschiedenen Stellen des Buches 20

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