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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-10-01 · Heft 10 (1.10.1888) · p. Seite 231

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (1.10.1888)
Date
1888-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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231 oberten Stadt Dan in gleicher Eigenschaft folgte, war niemand geringerer als ein Enkel Moses. Nur ein Mißverständnis des großväterlichen Ausspruches hatte ihn zu solch unwürdigem gottlosen Dienste geführt. Das großväterliche Familienvermächtnis lautete: Besser einem noch so wenig entsprechenden, fremden Dienste sich verdingen, als Menschenhilfe in Anspruch nehmen. Im Besitze dieser Lehre, meinte der Enkel sie auch ini rechten Sinne anzuwenden, wenn er sich auch dem Götzendienste gegen Entgelt zur Verfügung stelle.*) Nicht minder als die Propheten schätzten auch Israels größte Lehrer die Arbeit boch. R. Inda trug das von ihn« angefertigte Faß, R. Simon den selbst geflochtenen Korb in's Lehrhaus und bewiese» schon daran, wie die Arbeit den Arbeiter ehrt, da sie durch ihre Arbeit in der Lage waren, nicht auf dem Boden sitzen oder stehen zu müssen, sondern sich aus Faß nud Korb setzen konnten.2) Die meisten der Gelehrten nährten sich auch vom Handwerk. Es ist bekannt, daß Schamai ein Maurer, R. Josua ein Schmied, R Meir ein Schreiber, R. Jost b. Chalafta ein Lederarbeiter, R. Jochanan ein Sandalar war. R. Huna bestellte sich seinen kleinen Acker selbst. Verlangten ihn Parteien zum Richter, so pflegte er ihnen zu bemerken: Stellt mir einen Manu zur Feldarbeit, so will ich euer Richter sein. Er kehrte oft vom Felde heim mit dem Spaten auf der Schulter, st Abbahu verfertigte Frauenschleier. Niemand schämte sich seines Handwerks; jeder setzte vielmehr eine Ehre darein, dadurch unabhängig dem Studium der Thora leben zu können. Raba untersagte den Schülern in den Monaten Nissan und Tischri im Lehrhause zu erscheinen, damit sie ungestört Ernte und Weinlese abhalte» und durch die Arbeit der Nahrungssorgen enthoben feien.4) So hoch wird der Wert der Arbeit angerechnet, daß selbst der Dieb, der ein Rind stiehlt, es fünffach ersetzen muß, während das gestohlene Lamm nur vierfach ersetzt wird, weil durch den Diebstahl des Rindes der Bestohlene auch in der Arbeit, die mit dem Rinde verrichtet, gestört und auch hierin geschädigt wurde, st Die Arbeit gereicht dem Menschen vielfach zum Segen. Sie trägt zur Gesundheit des Körpers bei und verhütet manche Krankheit. R. Jose trieb die Mühle, R. Scheschet trug Balken, um den Körper in Schweiß zu bringen und sie erklärten: Wohlthätig ist die Arbeit, sie macht dem Arbeiter warm st Sie bringt den Wohlstand ins Haus. Legt der Mensch an seine Arbeit recht die Hand an, so gibt ihm Gott den Segen, st Arbeitet er, erhält er Segen, und wenn nicht, bleibt auch der Segen aus. st Nicht darf man sich auf den Segen Gottes verlassen, dem Wohlleben sich hingeben, essen und trinken, in den Tag hineiuleben in der Hoffnung, Gott wird schon sorgen; denn eben darum betont die heilige Schrift (Job 1, 10) den Segen der Arbeit, um zu lehren: Der Mensch muß sich mühen, muß arbeiten mit seine beiden Händen und dann sendet Gott auch den Segen, st Abraham, so wird erzählt, kam auf seiner Reise nach dein Lande, das Gott ihm zeigen werde, in die Gegend von Arain Naharann und Aram Nahor und traf daselbst die Menschen schmausen, zechen und sich's in der leichtlebigsten Weise wohl sein lassen, da betete er zu Gott, ihm für sich und seine Nachkommen dieses Land nicht als das verheißene Erbe zu geben. Als er aber von dem phönizischen Gebirgsrücken hinabgestiegen war und nach Kanaan kam und eine fleißige Bevölkerung sah, welche Unkraut li Bab. batr 110 u. Richter 18. *) Nedar. 49. 3 *) Grätz IY 315. 4) Berach. 36. 5) Mechilta Exod. e. 12. ü) Gittin 67. 7) Midr. Schocher 147. *) Jalk. Xilim 690. 9) Tanchum. Gen. c. 31, 24.

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