Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 teiligen vorziehen '). Welche Arbeit inimer, und wäre sie die schmutzigste, betreiben, ist besser als gar keine; denn wer kein Handwerk, keine Thätigkeit erlernt, ist zum Räuberhandwerk erzogen3). Mußte doch Adam nach der Ueberlieferung alle Handwerke erfinden, erlernen und betreiben bis ans das Einbinden der Bücher3)! Durch die Erlernung der Arbeit von frühester Jugend hat der Mensch ein wahrhaftes Gut gewonnen Z. Denn jede Arbeit wird gesucht und auch erlernt 3 6), und sie nährt darum auch ihren Mann. Hat der Arme nur etwas gelernt, so wird ihn sein Handwerk mit Gottes Hilfe erhalten"). Sieben Jahre dauerte die Hungersnot, doch an die Thüre des Arbeiters und Handwerkers kam ste nie7). Allerdings kommt auch bisweilen Not bei der Arbeit vor, doch dann dürften eher die Menschen und ihre gesuchten und unnatürlichen Bedürfnisse als die Arbeit Schuldträger sein; denn die Tiere des Waldes, die inimer dieselben natürlichen Bedürfe haben und behalten, befriedigen sie auf natürlichem Wege und leiden nicht Mangel; und müssen es die Menschen, so ist es nur ihr eigenes Verschuldens. Keine Arbeit trägt den Segen, reich zu machen, an sich, keine den Fluch der Armut''). Macht sich der Mensch zürn Sklaven dein Boden, um ihm ununterbrochen die notwendige Arbeit zu leisten, dann ivird er auch des Brodes satt7"). Arbeit, welcher Art immer sie sei, kann keinem Menschen zur Unehre gereichen; sie behauptet vielmehr eine solche bebeutenbe Stellung im menschlichen Leben, daß sie dem Arbeiter zur Ehre gereicht"). Gott selbst hat ihr diesen ehrenvollen Platz eingeräumt, indem er den Menschen mit gutem Beispiele vorausging und als erster Arbeiter schaffend sich in die Schöpfung eingeführt hat. Lernet doch arbeiten von mir, ruft Gott durch die Schöpfungsgeschichte den Menschen zu, heißt es ja: Gott der Herr schuf den Himmel und die Erde; Gott der Herr pflanzte einen Garten im Eden"). Gott läßt sich von Jakob und von David den Titel „Hirte" gefallen, wiewohl es eine am geringsten geschätzte Berufsart ist13); denn keine Berufsart ist eine Schande. Ziehe dem Aase auf der Gaffe das Fell ab und verdiene damit dein Brot; sage aber nicht, ich bin em Priester, ich bin ein vornehmer Mann und die Arbeit ist für mich eutlvürdigeud "). Sagt jemand: Ich bin vornehmer Eltern Sohn, stamine aus vorzüglicher Familie, ich kann mich darum nicht zur Arbeit erniedrigen, so anttoortet ihm die Schrift: Du Thor, dein Schöpfer ist dir zuvorgekommen, er hat selbst gearbeitet, bevor du noch zur Welt gekommen bist, er nennt seine Schöpfung eine Arbeit '3). Darum gilt auch die Arbeit bei Gott als ein höheres Verdienst, denn Adel und Tugend der Eltern. Der Ahnen Verdienste kam Jakob auf der Flucht vor Laban nur für die Rettung seines Vermögens zugute; doch durch das Verdienst seiner Arbeit wurde ihm sein und der ©einigen Leben geschenktUi). Die Propheten selbst hielten die Arbeit so hoch, daß sie sich alle damit befaßten, >vie Jakob, Moses und David Hirten waren"). Daß Moses die Liebe zu der Arbeit den Seinigen als das beste Vermächtuis hinterließ, beweist eine alte Ueberlieferung: Jener Levite Jonathan der Sohn Gerson's, welcher dem Micha auf dem Gebirge Ephraim bei dem silbernen Götzenbilde Priesterdienste leistete und später dem Stamme Dan nach der er- ') Pesach. 65. *) Kidd. 29. ») Midr. Gen. r. c. 21. -) M. Echa 2, 27. «) Kidd. 82. 6) M. Koh r. c. 6, 8. 7) Synh. 29. 8) Kiddusch. 82. ö) Ebend. 10) Sanh. 58. u) Gittin 67. ")Levit r. 25. 13) Ps. 23. Hab. batr. HO. «) Aboth d. R. N. 11. lö) Gen. x. c. 73. ") Midr. Ged.