Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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229 sich nicht verkaufen, wie man Sklaven verkauft. Herrsche nicht über ihn mit Härte und fürchte dich vor deinem Gotte" (Lev. 25, 39 u. ff. > Wie ein Bruder soll er behandelt werden, soll keine Kränkung, keine Demütigung und Vernichtung seines Selbstgefühls erfahren. So z. B. soll er ihm nicht die Kleider ins Bad nachtragen, ihm nicht die Sandalen anbinden. Er soll im Essen und Trinken und in der Ruhestätte dem Herrn gleichgehalten werden, daß der Herr nicht weißes, er schwarzes Brot zu essen, der Herr alten, er jungen Wein zu trinken, der Herr Polster zum Schlafen, er nur Stroh bekomme. Der Herr soll ihn auch nicht zur Dienstleistung für andere' verwenden, denn nur dem Herrn, aber nicht andern hat er zum Dienste sich verkauft?) Er darf ihm nur eine bestimmte Arbeit geben, ihn aber nicht ins Endlose arbeiten lassen, damit er nur arbeite und beschäftigt sei.2) Länger als sechs Jahre durfte der hebräische Sklave nicht dienen; trat aber innerhalb dieser Zeit das Jobeljahr ein, und war es auch das erste Dienstjahr, mußte er ohne Weiteres entlassen werden. Beim Abgänge aus dem Hause erhielt er Geschenke von Vieh, Getreide und Wein und was zuni Bedarf und Segen des Hauses gehört, daniit er wieder seinen Hausstand begründen konnte und seine Freiheit genieße^). So wurde die Sklaverei im jüdischen Staate aufgehoben und an deren Stelle die Arbeit für Lohn gesetzt. Die Arbeit erkannte das Judentuni als ein Mittel, um der völligen Verarmung vorzubeugen, und darum wendete es ihr seine besondere Aufmerksamkeit zu. Ist die Arbeit dem Menschen Bedürfnis und dieses zur zweiten Natur geworden, dann ist die Verarmung unmöglich. Darum ist nach den Lehren der Religion der Müßiggang eine Sünde. Wie Gott mit Israel einen Bund in Betreff der Beobachtung und Erfüllung der Tora geschlossen, so auch in Bezug auf die Arbeit und Thätigkeit4). Sechs Tage mußt du arbeiten, heißt es in den Zehn Geboten. Die Arbeit ist ein Gottesdienst an den sechs Werktagen, wie die Ruhe am Sabbat5). Die Trägheit, der Müßiggang und der Schlaf bilden den Anfang des Niedergangs und des Unglücks eines jeden Menschen, denn der Träge unterläßt es, sowohl dem Studium der Tora, als auch der Arbeit und seinem Berufe sich vollends hinzugeben"). Wo immer die Behaglichkeit und Bequeinlichkeit sich einnistet, da hat die Verführung gewonnenes Spiel7). Hätte nicht Adam der thatenlosen Ruhe und dem Schlafe sorglos sich überlassen, hätte ihm die Schlange nimmer seine Frau verführt, sagen die Alten8). Der Mensch ist zur Arbeit geboren und geschaffen 9). Darauf weist die ganze Natur und seine eigene. Er bleibt sein Leben lang sein eigener Sklave; denn arbeitet er nicht für sich, dann hat er auch nicht zu effenSelbst das Paradies zeigte Adam als oberste Bestimmung zu arbeiten u). Adam konnte sich erst des Genusses im Paradiese erfreuen, nachdem er gearbeitet hatte; denn die erste Bestimmung erhielt er von Gott, zu arbeiten und die zweite über den Genuß **). Aus diesen Gründen ist es nicht nur die heiligste Pflicht, selbst zu arbeiten, sondern daß die Eltern ihre Kinder in irgend einem Handwerke oder einer Thätigkeit unterweisen oder unterrichten lassen, und wenn sie auch, wie es nur natürlich erscheint, die reinlichste und leichteste für das Kind wählen^). Denn kann auch die Welt ebensowenig ohne Gewürzkrämer, wie ohne die Gerber bestehen, so wird jeder doch die angenehme und wohlriechende Arbeit der gegen- ‘) Siphra z. St. -) Maim. Halach. Abad. c. 1. ') Kidusch. 17. *) Aboth d. R. R. “) Bechaj z. St. °) M. Gen. r.. K. 17. ') Ebend. 38. ä) Ebend. 19. -) Job. 5, 6. “*) M. Gen. r., K. 14. ») Gen. 2, 15. K) Aboth d. R. N. K.11. ,3) Berach. 63.