Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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227 sich doch nicht schicken; meine Gesellschaft würde nicht ehrenvoll für meine Beschützerin gehalten werden." Vater und Tochter werden von Tempelherrn, welche nebenbei — in majorem dei gloriam — das Räuberhandwerk treiben, gefangen. Um von Isaak ein bedeutendes Lösegeld zu erpressen, teilt das Oberhaupt der Banditen dem betrübtem Vater mit, daß Rebekka sich in einem einsam gelegenen Thurme hinter Schloß und Riegel befinde und einem anderen Räuber als Genossin überliefert worden sei. Der Vater verspricht für die Freilassung seiner Tochter sein ganzes großes Veruiögen. Allein umsonst. Die heldenmütige Tochter weiß sich selbst zu verteidigen und das Reis vom Baume Israels bricht in die innigen Worte aus: „Soll ich für meinen Glauben sterben? Gern, gern, will ich das." Von aller Welt ist die Gefangene abgeschlossen- Der Peiniger naht. Sie will lieber dulden als sündigen. Sustine et abstine! scheint ihr zweiter Wahlspruch zu sein. Sie versteht zu ertragen und zu entbehren. Der Bandit steht vor ihr und die dargebotene Börse Rebekkas ausschlagend, hebt er zu sprechen an: „Schöne Blume Palästinas, diese Perlen sind orientalische, allein sie stehen doch an Weiße deinen Zähnen nach; diese Diamanten sind glänzend, doch konimen sie an Glanz deinen Augen nicht gleich und längst, ehe ich mich diesem wilden Gewerbe geweiht Habe, schwur ich, die Schönheit stets dem Reichtum vorzuziehen." Rebekka bittet, sie fleht, jedoch vergebens. „Was willst du von mir, außer meinem Reichtum?" sagte Rebekka. „Unter uns kann nichts gemein sein — du bist ein Christ und ich eine Jüdin. Unsere Verbindung würde den Gesetzen der Kirche und der Synagoge gleich zuwider sein." „Ich werde mit Gewalt nehmen," entgegnete der Räuber, „was du den Bitten oder der Notwendigkeit versagst." — „Nahe dich nicht," sagte Rebekka, „und höre mich, ehe du eine solche Todsünde zu begehen dich anschickst. Meine Kraft magst du leicht überwältigen, denn Gott hat mich als ein schwaches Weib erschaffen, und daher meine Verteidigung dem Edelmute des Mannes anvertraut. Aber, Templer, ich werde deine Schändlichkeit von einem Ende Europas bis zum andern ausbreiten. Dem Aberglauben deiner Brüder werde ich verdanken, was ihr Mitleiden mir verweigern mag." — „Dein Witz ist scharf," erwidert der Freche, „allein laut muß deine Klagestimme sein, wenn man sie außerhalb der Mauer dieses Schlosses hören soll, innerhalb dessen verklingen solche Klagen und solche Anrufungen der Gerechtigkeit ohne alle Wirkung. Eins nur, Eins allein kann dich retten Rebekka! Unterwirf dich deinem Schicksal! nimm unsere Religion an und du sollst sogleich in einem Zustand von dannen gehen, wie du es nur wünschen kannst." „Meinem Schicksale mich unterwerfen," sagte Rebekka, „heiliger Gott, welchem Schicksale! Deine Religion annehmen! Und was kann das für eine Religion sein, die ein solcher Abscheulicher bekennt? Du die beste Lanze der Templer?.Elender Ritter, meineidiger Priester, ich verachte dich! Ich trotze dir! Der Gott Abrahams hat seiner Tochter einen Weg des Entkommens eröffnet, selbst aus diesem Gebäude der Schande." — Mit diesen Worten öffnete sie schnell das Gitterfenster, welches zum Balkon führte und in einem Augenblicke stand sie am äußersten Rande desselben, so daß nichts sie von der grausenden Tiefe zu ihren Füßen trennte. „Bleibe wo du bist," ruft die Heldin dem Schändlichen zu. „Einen Schritt weiter und ich stürze mich in den Abgrund; eher soll