Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 „Die Sonne sinkt, umsäumend schon die Wipfel Der alten Zeder mit des Abends Gold; Sie winkt mir, droben von des Nebo Gipfel, Das Land zu sehn, das ihr bewohnen sollt. Vergönnt nur ist mir noch, bevor ich sterbe, Ein Blick auf's Land der Väter, euer Erbe, Wo Israel bald von seiner Wandrung ruht. So zieh denn hin, mein Sohn! Jehovah leite Und stärke dich im Frieden, wie im Streite. Halt am Gesetze und bleib in seiner Hut!" „Stumm vor dem Greise seine Knie beugend Nimmt Josua aus Moses Hand das Schwert, Und seltsam mischen sich, indem er schweigend Sich mit dem kriegerischen Schmuck bewehrt. DerTrennungSchmerz, dasHochgefühl derWürde, Und Sorg' und Zweifel ob des Amtes Bürde. Doch wie sein Blick nun folgt, indem er geht, Dem Lauf des Jordans, Kanaans Gau'n umwindend. Da blitzt sein Auge kühn und siegverkündend, Dem Falken gleich, der seine Beut' erspäht. Drei jüdische Wädchengestatten. Von 5B- Frank. III. Walter Scott, der große Schotte, der Freund Göthes, der Verfasser von: „Tales of my Landlord“, der geniale Dichter fuhrt uns im „Jvanhoe" ein engelgleiches Weib vor Auge» und diese Frauengestalt ist ebenfalls eine Jüdin! Welche Ehre für Israel! Isaak von Jork, ein sehr reicher Handelsherr, ist der beneidenswerte Vater seiner großen Tochter Rebekka. An Edelmut, Schönheit und Menschenliebe überaus reich, findet sie kaum ihres gleichen. De» Vater liebend, für andere stets besorgt und aufopfernd, weiß sie durch erhebende Anspruchslosigkeit, die Neigung Anderer, sogar ihrer Feinde zu gewinnen. Der Held des Romans, Jvanhoe, kein besonderer Freund der Juden, wird iin Turnier verwundet und von Rebekka — welche sich auch ans Heilkunde versteht — nicht nur gepflegt, sondern auch geheilt. Freudig und offen bekennt sie sich als eine Tochter Israels und ist stets beflissen, ihre Religion nicht nur zu verteidigen, sondern ihr auch durch die eigene That zu Ehre und Ansehen zu verhelfen. Rebekka ist ein Muster von Seelenreinheit, Keuschheit, Eltern-, Stammesunb Menschenliebe. Ihre Lebensaufgabe scheint in dem Satze zu gipfeln: Eignes Verzicht leisten erzeugt Ueberflnß, in Liebe sich auferlegter Mangel Reichtum. Wie Perlen fließen die Worte von ihren süßen Lippen, darum hören wir sie selbst. Rebekkas erste herzerhebende That besteht darin, daß sie bei Christen um Schutz für einen Christen fleht. „Nicht für mich flehe ich euch um diese Gunst, auch nicht für diesen alten Mann (ihren Vater), ich weiß, die Christen halten es nicht für eine große Sünde, unser Volk zu mißhandeln und zu berauben. (Mittelalter.) Allein es ist Jemand hier, der auch euch teuer ist, und in dessen Namen flehe ich euch an, laßt den armen Kranken sorgsam unter euerem Schutz fortgebracht werden; denn sollte ihm ein Unfall begegnen, so würden eure letzten Lebensstnnden noch mit Rene darüber erfüllt werden, daß ihr versagtet, tvarum ich flehe." Die edle, feierliche Art, mit welcher Rebekka ihren Wunsch vortrng, gaben ihrer Bitte doppeltes Gewicht. Der früher znrückgesctzten Jüdin wird jetzt sogar erlaubt, an der Seite der sächsischen Prinzessin reiten zu dürfen, doch Jorks Tochter weigert sich mit stolzer Demut: „Nein, das möchte