Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 zu müssen, um einem Glaubenssatze nicht untreu zu werden. Ausdrücklich lehrt unsere Religion: Alle Edlen, die Jisraels Gemeinschaft nicht angehören, haben Teil an der himmlischen Seligkeit, wie Jisrael daran Teil hat, wenn es seinem Glauben gemäß lebet. Wie bei der Münze nicht das Gepräge, sondern ihr Gehalt ihren wahren Wert bestimmt, so, lehrt unsere Religion ist es nicht die bestimmte Glaubensform, sondern das Gott gefällige menschenbeglückende Leben ist es, das allein den Anspruch hat an die himmlische Seligkeit. Wenn wir Jisraeliten darum heute in der himmlischen Seligkeit unserer Heimgegangenen Herzogin einen mächtigen Trost finden für den schmerzlichen Verlust, so schätzen wir uns glücklich, daß wir, als Jisraeliten, diesen Trost aussprechen können, daß wir nicht nötig haben, als Mensche» und Bürger anders zu sprechen, anders zu denken und anders zu fühlen, wie wir als gläubige Jisraeliten sprechen und denken und fühlen sollen. Heil dir Jisrael, rufen wir darum heute begeistert mit unserem sterbenden Lehrer Moses, wer ist wie du! Jisrael steht auch in dieser Beziehung einzig da in der Menschheit! (Schluß folgt.) Woses Abschied. Von L. Altenbernd. Die so hübsch inmitten des sagen- und geschichtsberühmten Teutoburger Waldes versteckte Residenzstadt Detmold kann sich rühmen, manche durch den kräftigen Schwung ihres Geistes und der Phantasie im deutschen Dichterparnassus hervorragende Männer hervorgebracht zu haben. Klassischer Boden, herrliche Waldnatur und ein treuer, biederer, noch an altem hergebrachter deutschem Sinne und Wesen hängender Menschenschlag vereinigen sich hier, um mit wunderbarer Macht das dichterische Gefühl zu provozieren, daß es einem unwiderstehlichen Drange folgend in die Harfe greift und mit wohltönenden Akkorden sich zum Ausdrucke zu bringen sucht. Freiligrath, Grabbe, Meier, (zum Unterschied von andern vielen weniger dichterischen Meiern „Schillermaier" genannt,) sind Söhne der alten Fürstenstadt Detmold. Ihnen reiht sich nun ein Dichter, der weniger in seinem stillen, bescheidenen, selbstlosen Wirken bekannt sein dürfte, an. Nur das mit berechtigtem Stolze an seinem geliebten Sänger hängende Detmolder Kind kennt seinen stets zu frohem Lied und Scherz bereiten, bei allen Festlichkeiten für poetische Leistungen zu Rat gezogenen Dichter Altenbernd. Manches seiner schönen Gedichte brachte in einer längeren Reihe von Jahren die „Lippische Landeszeitung". In dieser Tagespresse wäre denn auch die schöne Begabung Altenbernds für einen weiteren Leserkreis unbekannt verschollen, wenn sich nicht der Dichter veranlaßt gefühlt hätte, eine Sainmlung seiner schönsten Gedichte unter dem Titel: „Frühlingsblüten und Herbstblätter" (Detmold Meyer'sche Hofbuchhandlung) dem Drucke zu übergeben. Unter diesen Gedichten, welche manche köstliche Perle innersten Gefühles und wohlwollender Gesinnung enthalten, befindet sich auch ein episches Gedicht „Moses Abschied", welches besonders reich an herrlichen Ideen und Bildern ist, und auch von der Formvollendung des Dichters Zeugnis ablegt. Die Dichtung auf religiösem Gebiete wird so wenig heute gepflegt, daß es gewiß eine würdige Aufgabe ist, auf eine solche Erscheinung,