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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-10-01 · Heft 10 (1.10.1888) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (1.10.1888)
Date
1888-10-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 den Zweifelnden zu, daß der Prophet nur in die Zukunft hinansspäht, um die Ereignisse, die da kommen sollen, lange vor ihrem Eintritte vorherzusehen! das wäre nichts als gedankenlose Träumerei, wenn nicht die ganze Vergangenheit seines Volkes ihm vor Augen stände und der Geist der göttlichen Gerechtigkeit, der durch die Zeiten dahinschreitet, ihm nicht wäre erkennbar und offenbar geworden. Blicket zurück auf Israels Ursprung, auf seine älteste Vergangenheit! Welch' eine Erscheinung, die euch da vor Augen tritt! Eine Welt und — ein Mann! Eine Welt von Wahn umnachtet, von Geistesfinsternis bedeckt, in Götzendienst versunken und ihr gegenüber Abraham, der eine Mann des Lichtes, dem die Wahrheit über Alles ging und der daher auch zur Höhe des wahren Glaubens sich aufgeschwungen! Ist etwa die Wahrheit, weil sie nur in dem Herzen eines Mannes eine Stätte gefunden, deshalb wieder erloschen und ausgestorben? Keineswegs. Der Eine, der sich dazu berufen fühlte, sie laut zu verkünden und standhaft zu bekennen, ist ein Segen der Menschheit geworden, und was er gelehrt und gestiftet hat, das hat sich erhalten und immer weiter verbreitet. Kann ein Volk, das auf Abraham als auf seinen Stammvater und sein geistiges Vorbild zurückblickt, den Glauben an seine Zukunft verlieren, verlieren die Hoffnung auf sein zukünftiges Heil, das durch den stets fortschreitenden Sieg des Lichtes und der Erkenntnis herbeigeführt wird? Fasset Mut, euer Hoffen ist nicht vergeblich, euer Heil bleibt nicht aus! ruft daher der Prophet den Zagenden zu. Wandelt nur nicht in stumpfer unempfindlicher Gleichgiltigkeit dahin, höret auf die Verheißungen, die den Sieg des Rechtes verkünden und die Lehre der Wahrheit fasset tief in's Herz. Ihr werdet verhöhnt und verspottet, achtet nicht darauf, denn die euch verspotten, verstehen Euch nicht, ihr werdet beschimpft und verläumdet, laßt euch nicht entmutigen, denn die Lüge hat keinen Bestand und das Recht allein gelangt zum Siege! Wahrlich ein ermutigendes Wort, das der Prophet uns hier zuruft, eine in's Herz dringende Lehre, die stets und besonders auch in unseren Tagen mit einsichtsvollem Sinne erfaßt werden sollte. Auch in unserer Zeit will der Geist der Verfinsterung, der längst totgeglaubte, wieder seine Herrschaft über Israel ausbreiten. Der in hartem Kanipfe mit festgewurzelten Vorurteilen errungene Sieg des geistigen Fortschritts in Israel soll uns wieder entrissen werden. Die Heuchelei, Werkheiligkeit und Scheinheiligkeit, die da nirgends Boden finden können, wo Wahrheitsliebe und Gesinnungsadel bestehen, überwuchern die Gefilde des Judentums, währenddem echte Glaubenstreue und gediegene Kenntnis unserer Lehre immer seltener werden und gleichzeitig mit diesem kläglichen Verfalle nach innen treten von außen her Erscheinungen an uns heran, die uns in die Zeiten des Mittelalters zurückversetzen. Längst verrostete Waffen werden aus den alten Rüstkammern des Hasses hervorgeholt, um von Neuem gegen Israel geschmiedet zu werden, Schmähschriften gegen Juden finden eine ungeahnte Verbreitung, überall treten bedenkliche Anzeichen ungewöhnlicher Erbitterung gegen Israel hervor, das für alle Schäden, die die menschliche Gesellschaft in unseren Tagen aufweist, verantwortlich gemacht wird. Es steht diese Zerfahrenheit nach innen allerdings mit dem von außen her drohenden Sturme in einer gewissen Wechselwirkung. Der äußere Aufschwung Israels wurde durch die innere Erhebung, durch den Fortschritt in Geistesbildung und in Läuterung der religiösen Kenntnis vorbereitet und jeder Rückschritt auf diesem Gebiete muß notwendiger Weise auch ein Herabsinken der Ehrenstellung, die Israel eiugeräumt ist, zur Folge haben. Wenn wir in einer Zeit, in der uns wie bisher noch nie Gelegenheit gegeben ist, das

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