Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 erhöhen" .... Wie fesselt uns dieser Kreis, in welchem der schlichte Mann den Fremden am einfachen Tische so gastlich bewirtet. Herrlich erklingen die Gesänge von den Lippen des heiteren Knaben. Die Mutter gedenkt beim Anblicke des jugendlichen Reisenden voll erschütternder Innigkeit ihres älteren Kindes, das schon lange in der Ferne weilt, im verzückenden Traume legt sie segnend die Hände auf das Haupt des Sohnes — denn niemand anderer ist der Fremdling, der noch einmal, unerkannt sein Vaterhaus und die jüdischen Kreise sehen und besuchen will.Kein Wunder, wenn dieser Sohn, der während einer Fußwanderung den schlichten Sinn, das felsenfeste Gottvertrauen, die biederste Menschenfreundlichkeit, die nachsichtigste Duldung des armen, feilbietenden Vaters verehren lernt, von ihm schreibt: „In der Seele eines solchen Juden sieht es dir ganz eigentümlich aus. Stelle dir ein Buch vor, in dem du die schönsten Sachen zu lesen bekommst. Du blätterst weiter. Du bist erstaunt über den herrlichen Klang tiefsinniger Melodien, die dir entgegentönen. Du weißt nicht, woher sie kommen. Alles gemahnt dich daran, daß du hier urkräftig Menschliches entdeckt hast, schöner und kräftiger, als du es irgend angetroffen." Kein Wunder, daß sich der Sohn, als er abermals vor das liebevolle Antlitz der Mutter tritt, von allen Verlockungen des Lebens losreißt, kein Wunder, daß der Sturm, daß die Treue, die aus der Tiefe des Gemütes bricht, die andern, wenn auch engen Bande löst, die seine Seele an fremde Kreise fesseln. Kein Wunder, wenn dieser Sohn allen Aussichten der weiten, freien Zukunft entsagt, um seine Hütte neben der Wohnung des Vaters zu bauend) (Fortsetzung folgt.) Pie Wacht der Wahrheit. Mit einer Zuversicht, die sich durch nichts trüben, durch nichts erschüttern, durch nichts bange machen läßt, verkündet der Prophet Jesaia, dessen Trostesstimmen in den, Herzen des klagenden Israel Mut und Hoffnung erwecken sollten, den sicheren unausbleiblichen Sieg des Rechtes, der die Erlösung und das Heil seines Volkes bedeutet. Alle Gemüter sind verzagt, Niemand will an eine bessere Zukunft glauben, der Gedanke an Israels Wiedererstehung ist vollends aufgegegeben, die niederschmetternde Macht der Ereignisse hat den letzten Hoffnungsstrahl aus dem Herzen verscheucht, schwer lastet Babylons Arm auf dem in Elend dahinirrenden Inda, wohin das Auge blickt, nirgends ein Schimmer von Freiheit, der den Morgen der Erlösung verheißt. Doch der Prophet läßt sich dadurch nicht beirren und beunruhigen, läßt von der kläglichen Stimmung und Strömung, die alle Gemüter ergriffen, sich nicht fortreißen, und verkündet, währenddem überall auf Erden nur die Gewalt den Ausschlag gibt, den Triumph der Unterdrückten, den Sieg des Rechtes und der Wahrheit. Und womit begründet er diese Zuversicht, worauf stützt sich seine Hoffnung und was bestärkt ihn in diesem Glauben? Er verbirgt ihn nicht hinter Rätseln und dunkeln Sprüchen, er legt klar und offen seine Ueberzeugungen dar. Meint nicht, ruft er ') Der Dorfgeher, Kompert ges. Schriften II. S. 5— 36.