Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1888)
- Date
- 1888-09-01
- Page
- Seite 215 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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215 gemeinden oder Betgenossenschaften zn betrachten und haben nur zum matrikelführenden Rabbinate der Muttergemeiude Beiträge zn leisten und zwar die Hälfte des Staatssteuerschlüssels. Ein jeder Israelit ist' verpflichtet, derjenigen Kultusgemeinde, Filialgemeinde oder Betgenossenschaft als Mitglied anzugehören, aus deren Gebiet er seinen Wohnsitz hat. Nur der matrikelführende Rabbiner darf die Aufgebots-Atteste ausstellen. Andere als vom Matrikelamte ansgestellte Aufgebots-Ätteste darf der die Trauung vollziehende Rabbiner nicht berücksichtigen. Dies ist in Kürze die Verordnung unseres Kultusministers, welche im ganzen Lande, wo echt jüdisches Herz schlägt, mit Freuden begrüßt wurde, und welches ich mich beeile, auch den Lesern des Auslandes durch Ihre gesch. Monatsschrift mitzuteilen." Wir nehmen hiervon gern Notiz xutb freuen uns, daß die Regierung endlich zu klarer Einsicht gelangt ist und daß ihr die Schuppen von den Augen gefallen sind. Endlich sieht sie ein, daß das Gerede, das die Orthodoxen wie bei uns in Deutschland, Lasker mit einbegriffen, über Gewissenszwang und dergleichen im Munde führten, nichts als blinder Lärm und eitle Spiegelfechterei gewesen. Man wird bald auch in Deutschland zu andrer Erkenntnis gelangen. — Die Herren Dr. Unjim und Dr. (fjiijler, Hörer des Budapester Rabbinerseminars, wurden bei der heurigen Schlußfeier des Institutes zu Rabbiuen promovirt. — Herr Dr. Mrüi»), Rabbiner und Prediger zu Debrezin, wurde zum isr. Schulinspektor der isr. Religionsgemeinde Budapest gewählt. — Der greise Rabbiner zu Neutra, Herr Joseph Honig, wurde am 21. Juni unter reger Beteiligung aller Konfessionen zur ewigen Ruhe bestattet. — Am 29. Mai starb in Treucstn-Baan Herr Rabbiner Jacob Reich, ein Sohn des bekannten Rabbiners „Koppel Charis". — Man schreibt uns aus Daja: Am 27. Juli wurde ein hochangesehener Arzt hiesiger Stadt und Gemeinde Herr Dr. David Epstein, Schwiegersohn des unvergeßlichen Philantropen Dr. Ad. Broöx, zu Grabe getragen. Die über die Landeshauptstadt (Budapest) und Reichshauptstadt (Wien) verzweigte Familie des Verblichenen war vollzählig vertreten. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge bildete das Trauergefolge des mit zahlreichen, duftigen Liebes- und Ehrengaben ausgestatteten Sarges, vor dem eine Ehrenwache Stand gehalten. Die Behörden der Stadt und Gemeinde, ärztliche Kreise, Kriegervereine, (Honväd) mit der Fahne, geistliche und staatliche Würdenträger gaben dem Toben das Geleite. An der Bahre sprach Herr Prof. Dr. S. Naschör (Berlin), am Grabe ein ärztlicher Kollege des Verstorbenen, Herr Dr. Ladänge. Friede seiner Asche! — Die österreichische Regierung hat den jüdischen Kaufmann Ifflhalr Ke» Schein» zum Konsular-Agenten in Arstla (Marocco) ernannt. — Fräulein Marianne von Euttman», die Tochter des Herrn Wihelm Ritter von Guttmann in Wien hat sich mit Zir Franzis Montrfiorr, einem Neffen des verstorbenen Moses Montefiore, vermählt. — Sämtliche Budapester Blätter bringen nachstehende Mitteilung: Die Ehescheidung des Baron Paul Bornemissta und seiner Gattin geb. Ottilie Schohberger von Tornia, ist mittelst Urteils der königl. Kurie endgültig ausgesprochen worden. Der Feriensenat der königl. Kurie unter Vorsitz des Präsidenten Nikolaus Szabö (als Referent fungirte Kurialrichter Sigmund Kastap) verhandelte diese Angelegenheit. Dem Referate gemäß wurde die Ehe im Juli 1882 geschlossen. Die Eheleute lebten nur fünf Jahre mit einander. Um die Scheidung zu erleichtern, traten beide im vorigen Jahre zur protestalltischen Kirche über. Die königl. Tafel löste die Khe auf und die Kurie bestätigte dieses Urteil. Das Auge manchen Lesers mag gleichgültig darüber hinweggegleitet sein. Und doch verdient diese Notiz größere