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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-09-01 · Heft 9 (1.9.1888) · p. Seite 216

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 9 (1.9.1888)
Date
1888-09-01
Page
Seite 216 (sequence 24)
Language
German
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216 Beachtung. Der Vater der geschiedenen Baronin, Heinrich Kchohberger von Nornya, ist Jude. Seine Ahnen ans Schoßberg, einer altberühmten jüdischen Gemeinde im Nentraer Komitate stammend, gehörten zu den berühmtesten Rabbinen und Talmudisten Ungarns. Der Großvater der Frau Baronin, Jesaja Wolf Schoßberger, ein armer Laie, hatte es bis zum ungarischen Adel gebracht, der ihm für seine Verdienste um den ungarischen Tabäkhandel verliehen worden. Dieser Adel genügte dem Sohne Heinrich von Schoßerger nicht mehr, er suchte sich mit dem christlichen Geburtsadel zu verschwägern und ließ zu diesem Behufe seine zwei Töchter taufen. Die jüngere hatte einen Battyani geheirathet, nachdem sie sich ohne Wissen der Eltern vorher mit einem vr. Rosenberg, hauptstädtischen Advokaten, in einem böhmischen Badeorte jüdisch hatte trauen lassen. Die letztere Ehe wurde für ungesetzlich erklärt, was zu einem Duelle zwischen den zwei Gatten führte, in welchem Graf Battyani das Leben verlor- Die verwittwete Gräfin heiratete sodann einen Brünner Fabrikanten (Christen). Jetzt ist auch die adelige Ehe der älteren Tochter gelöst worden. Herr Schoßberger dürfte nun an Erfahrungen reicher, aber an Kapital ärmer sein. Aehnlich erging es, wie deutsche Blätter vor Jahresfrist meldeten, dem jüdischen Banquier Herrn v. Bleichröder in Berlin. Dieser hat seine Tochter nun auch wieder heim bekommen und das Vergnügen, einige Zeit einen geborenen christlichen Adeligen zum Schwiegersohn gehabt zu haben, soll ihm über eine Million Mark gekostet haben. Vielleicht merken sich es unsere Geldmänner und sehen in Zukunft mehr auf Thütigkeit und Charakter jüdischer Männer als auf vergilbte Diplome lebenslustiger leichtsinniger Geburtsadeliger — Die Erben nach dem verstorbenen Herrn Eduard Diener Ritter von Welten in Dien haben nach dessen testamentarischen Anordnung 66,700 st. ö. W. zur Errichtung einer Stiftung an der dortigen Universität bestimmt. — Herr Aathaniel Breiherr v. Rothschild in Die» hat aus Anlaß des Regiernngsjubiläums des Kaisers für das St.-Joseph-Kinderhospital auf den Wieden 50,000 st. gespendet. — Herr Baron u. Hirsch hat 12 Millionen Frank hinterlegt mit der Bestimmung, die Zinsen zur Gründung und Erhaltung israelitischer Schulen in Galifien zu verwenden. Die Schulen sollen am 2. Dezember, am Tage des Regierungsjubiläums des österreichischen Kaisers, eröffnet werden. —- Der israelitischen Gemeinde in Altofen wurde von der Stadt eine jährliche Subvention von 1000 fl. gewährt. — Die orthodoxen Rabbinen haben in Prchburg darüber beraten, in welcher Weise die Jeschibah (Hochschule) daselbst ohne Gefährdung des talmudischen Studiums den Anforderungen der Zeit Rechnung tragen solle, damit die Zöglinge auch die nötigen weltlichen Wissenschaften erlangen. Man sieht, der dritte „Sofer" auf deni Rabbinersitze in Preßburg kann auch die Traditionen seines Großvaters und Vaters nicht mehr aufrecht erhalten. Es zeigt sich immer niehr, daß die Orthodoxie stets nur das um Jahrhunderte zurückgebliebene Judentum darstellt. Die Preßburger Schule langt jetzt erst bei Mendelssohn mühsam an. In wieder hundert Jahren wird man sich Geigers Standpunkt nähern müssen._ Inhalt: Leopold Kompert als jüdischer Geschichtschreiber. Bortrag von Dr. Joel Müller in Berlin. — Die Volkslitteratur der polnischen Juden von I. Silbermann. — Der Rechtssinn nach der Lehre des Judentums. — Zeitgemäße Betrachtungen eines Laien. 1. Unser Gottesdienst. — L. Steinheim als Dichter und Religionsphilojoph. Bon Dr. _(Seckelmacher. — Monatsschau. — Beilage._ BerantnMtlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei <F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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