Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1888)
- Date
- 1888-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 des Herrn Rabbiners Dr. Perles daselbst, erhielt von der medizinischen Fakultät den Preis für die Lösung der gestellten Preisfrage über „Solanin und Solanidin". — In Saarbrücken fand unter großer Beteiligung die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge statt. — In Schlettstadt wird eine neue Synagoge erbaut. Zu den Baukosten tragen auch Staat und Stadt größere Summen bei. — Der isr. Gemeinde Kberehnheim wurden von der Regierung zum Bau einer Synagoge 1000 Mkals Staatsbeihilfe bestimmt. — In Mdelheim waren es am 16. Juni 50 Jahre, daß die dortige Synagoge eingeweiht wurde. Der Tag wurde durch einen Festgottesdienst bedangen; die Festlichkeiten fanden wegen eingetretener Trauer um Kaiser Friedrich erst später statt. — Die Gemeinde Vierinyen in Württemberg hat sich durch den Wegzug der letzten jüdischen Familie daselbst aufgelöst. — Herr Dr. Auto» Bettelheim in Wie» ist mit der Ausarbeitung des Lebens Verthold Auerbachs beschäftigt. Nach seiner Adresse (Wien, Währing, f eldgasse 35) werden Mitteilungen das Leben des Dichters betreffend erbeten. — err Kantor Ebel in Gd'rlih, dessen Naturalisationsgesuch vielfach zurückgewiesen wurde, ist endlich am 18. Juni naturalisiert worden. — Im Jahre 1886 sind zur evangel. Landeskirche in Preußen 170 Juden übergetreten, wogegen 10 Uebertritte evangelischer Christen zum Judentum vorgekommen sind. — MM berichtet uns von einem jüngst erschienen Buche: „Reform der evangelischen Kirche" von Ludwig Iischer, Pfarrer (Braunschweig 1887, Schwetschke & Sohn). Der Verfasser dringt in diesem 664 Seiten umfassenden Buche auf Verringerung der Dogmen und will das Dogma von der Gottheit Christi und das von der Dreieinigkeit, weil sie sich biblisch nicht begründen ließen, nicht anerkennen. — Herrn Prof. Heinrich v. Treitschbe ist es Vorbehalten geblieben, in einem Aufsatze in den Preußischen Jahrbüchern die Regierung Kaiser Friedrichs als eine „traurige Episode der vaterländischen Geschichte" zu bezeichnen. — Herr Hans (kindlich sagt in einem offenen Briefe vom 21. April von den Antisemiten „Sie gleichen dem Troß der Leichenräuber, welcke den politischen Schlachtfeldern folgen-der Antisemitismus ist ein Blitzableiter, er leitet den Blitz ab von den Burgen des Hochadels auf die Dächer der Judenhäuser". — Am 3. Juni tagte in Stuttgart der siebente Kommers alter Corpsstudenten von allen deutschen Universitäten. Den Ehrensitz führte Prinz Wilhelm von Württemberg. Der Präsident, Herr Landrichter Cronmüüer, sagte in seiner Begrüßungsrede unter anderem: Auch die Fernstehenden werden allmählig begreifen lernen, daß die Corpsstudenten, wenn sie auch manchmal etwas mehr fechten und trinken, als der Durchschnittsphilister es für nötig hält, nicht so schlimm sind, daß sie besser sind al.s die Wiener und Grazer Studenten, welche Judenhetzen veranstalten und unreife Politik treiben, besser sind als die Pariser Studenten, welche mit dem Pöbel auf der Straße, mit den Boulangisten und Polizisten sich Herumbalgen, und als die Studenten in Petersburg, Moskau und Kiew, welche dem Nihilismus anheiinfallen. — Am 20. Juli wurde in Straßburg eine jüdische Loge „Unitas" installiert. — In der „Israelitischen Wochenschrift" (No. 27) kommt man endlich zur Einsicht, daß der B'nai-Berith-Orden gerade in Deutschland sein Bedenkliches und zwar gerade für die freisinnige Entwicklung des Judentums hat. Man meint dort, es dürfe nicht an Gewittern fehlen, die die Luft reinigen, soll der echte Geist des Judentums nicht unter dem Fluch unserer von Heuchelei zerfressenen Zeit dahinwelken. Der Schein von Brüderlichkeit, den der Orden bietet, kann keinen Ersatz biete» für die Lähmung der Entwicklungskraft des Judentums. Wie weit die Heuchelei in unserer Zeit geht, kann man am