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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-09-01 · Heft 9 (1.9.1888) · p. Seite 200

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 9 (1.9.1888)
Date
1888-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 wissenheit zu verdecken sucht, und wie die Umgebung in seinen verworrenen Bemerkungen eine tiefe Weisheit vermutet. Wir erfahren noch am Ende, daß die Kinder des Rabbi das Geld vergeudeten und die Enkel durch ehrliche Arbeit wieder emporkamen. Des Verfassers letzte Ermahnung geht dahin, daß man sich sein Brod nur durch ehrliche Arbeit erwerben solle. Derartige Schriften von demselben Witz tznd derselben urwüchsigen Kraft, vielfach verbreitet, würden nicht verfehlen, einen heilbringenden Einfluß auf die geistigen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Polens auszuüben. In dem Versuche,, den jüdisch-deutschen Jargon zur Belehrung und Aufklärung des Volkes zu benutzen, ist man in letzter Zeit noch einen Schritt weiter gegangen. Es sind lyrische Gedichte, oft von geschickter Darstellungsweise und voll der zartesten Empfindung erschienen. Ja, es ist sogar ein Teil der Grätz'schen Geschichte der Juden ins Jüdisch-Deutsche übertragen worden. Aber diese Schriften gehören wohl kaum noch zu der eigentlichen Volkslitteratur. Außerdem ist noch nicht abzusehen, welchen Einfluß sie auf die Bildung der Menge ausüben werden, so daß eine Würdigung derselben einer späteren Zeit vorbchalten bleiben muß. Per Wechlsfinn nach der Lehre des Judentums. Laßt, wenn das Jahr seinen Anfang nimmt und die Zeit von Neuem ihren Kreislauf beginnt, laut die Posaune erschallen! Zur Feste^feier versammelt euch, wenn an den: Tage, an dem ihr gedankenvoll zurückblickt in die Vergangenheit, die für euch einen Abschluß gefunden hat und bangmden Herzens hinausschaut in die dunkle verborgene Zukunft, auf deren Bahnen ihr euch dahingestellt seht, denn so ist es in Israel Gesetz und heilige Sitte, Yen Abschied von dem alten, den Eintritt in das neue Jahr zu weihen durch die Erhebung des Herzens zu dem Ewigen, Allerhabenen, der über den Welten und Zeiten thront in unvergänglicher Hoheit und Herrlichkeit! Wahrlich! nicht würdiger, nicht passender könnten wir den Btginn des neuen Jahres feiern, nicht weihevoller, nicht wirkungsvoller dieses heiyge Fest vor dem Ewigen begehen, als wenn wir im Sinne und Geiste diesH alten Psalmwortes zu einem Tage innerer Auferweckung und ernster SelbstbetrYchtung es gestalten, unsere menschliche Fehlhaftigkeit vor Gott bekennen, alles Iaedrige und Unlautere aus unserem Streben ausscheiden und unser Herz läutern^ daß da das Böse und Trügliche, das sich in ihm angesainmelt, ausgeschieden- und hinweggeschafft werde. Die Stimme der Posaune ertönt, sie ruft uns zü „es ist ein Tag des Gerichtes" vor Gott, ein Tag, an dem du Gericht halten wllst über dich selbst, prüfen sollst deine Gedanken, Thaten und Gesinnungen, betrauten sollst deine Thaten und Bestrebungen, unterscheiden sollst zwischen dem Asien und dem Guten, verlassen soll t die Wege der Falschheit und des Frevels, turückkehren sollst auf den Pfad der Tugend und des Rechtes. Ja, lernen sohen wir, wenn wir in unserem Herzen ben Grund legen zum Aufbaue uns«r menschlichen Würde und sittlichen Größe, >vas Recht ist, Recht ist vor (Mt und wie dieses Recht vollführt und bethätigt wird im wirklichen Leben. <£» hätten wir denn vou den drei Grundlehren, auf welche die heiligen Ta« uns Hinweisen, den Lehren des Rechtes, der Wahrheit und des Friedens, zunächst

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