Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Hauses im Bezug auf eingelaufene Petitionen, in denen Scheidung der Orthodoxen von den sogenannten Iteologeu gefordert wird, erklärt, er könne sich dafür nicht aussprechen, die Regierung könne nur eine Religionsgenossenschaft der Juden anerkennen, wer nicht zufrieden sei, soll eine besondere Religions-Gesellschaft bilden. Der Minister bemängelte die unglücklichen Folgen des ungarischen, als auch des Lasker'schen Gesetzes; der freie Austritt sei gefährlich. Herr v. Gautsch verdient den Dank aller Inden dafür, daß er das Belieben und die Willkür der orthodoxen Juden nicht zum Gesetz sanktionieren ließ. Wir sehen, ein Christ hat das Wesen des Judentums in diesem Punkte besser erfaßt, wie Lasker und alle orthodoxen Juden insgesammt. — Herr Baron Albert v. Klothschild in Die» hat zur Erweiterung der Sternwarte daselbst 80000 Gulden gespendet. — In der Volksküche des jüdischen Frauenvereins in Budapest haben im Jahre 1887 120000 Personen gespeist. — Am 21. Mai tagte in Prag eine Versammlung der Rabbiner Böhmens, welche eine Petition in Betreff der Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft an den österreichischen Reichsrath zu überreichen beschlossen hat. — Am 20. Mai fand in Prag unter Vorsitz des Herrn Hermann Auwald die Generalversammlung der „Israelitischen Beerdigungsbruderschaft" statt. Die Einahmen von Gulden 22,570.39 deckten die Ausgaben. — Am 6. Mai begieng Herr Prof. I)r. (f. H. Kisch das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Badearzt von Marienbad. Herr Prof. Kisch ist auch unentgeltlich Ordinarius am israelitischen Kurhospital. Ans allen Kreisen wurden dein verdienten und beliebten Arzte Zeichen der Anerkennung zu Teil. — Herr Alexander pick, Präses der israelitischen Kultnsgemeiude in Kis-Czell, wurde in den Ungarischen Adelstand erhoben mit dem Prädikate: Uemesch-Ddinöllrier. — Herr Zgnac; Halas; wurde von der ungarischen Akademie zum Mitglieds ernannt. — Am 11. Mai starb Herr Simon Kohn, Rabbiner in Klabonih und am 16. Mai in Budapest Herr Rabbiner Albert Steröng, der frühere durch seine Reformbestrebungen bekannte Redakteur der Zeitschrift „Die Zeit" und Verfasser vieler theologischer Arbeiten. — In Wie» starb am 24. Mai Herr Prof. Dr. f. M. Politzer und am 25. Mai der Großindustrielle Herr Mager Mandl. — Herr Äaeob König, der jüngst in Naab verstarb, hat neben anderen Stiftungen auch 10000 Gulden für die Talmnd-Thora-Schule in Ianohacja bestimmt. — In Höllisch soll ein neuer Tempel erbaut werden. — Pater Iremont hielt jüngst in Paris von der Kanzel eine zündende Rede gegen den Antisemitismus. — Herr Marquis u. Chantalle wollte einen eingegangeuen Mietsvertrag mit Herrn Bankier Kadonx in Paris lösen, weil er nachträglich erfuhr, daß derselbe Jude sei. Ein Richter, der dem Marquis klar machte, daß die Konfession bei einem Mietsvertrag keine Rolle spiele, sagte: „Sie sollten sich schämen, solche mittelalterliche Gesinnungen zu verraten, die Familie Radoux, die es durch Intelligenz und Fleiß zu einem Vermögen gebracht, steht meines Erachtens höher, als die Familie Chantalle, die ihr Erbe bei Spiel und Weibern verschleuderte". — Die Gesellschaft für jüdische Studien in Paris, deren Präsident gegenwärtig Herr Prof. A. Iranlr ist, hat im abgelaufenen Jahre 12153 Frs. eingenommen und 11921 Frs. verausgabt. Für die Herausgabe der „Uonio des etudes juivcs“ wurde der größte Teil der Ausgaben verwendet. — Am 14. April hielt der bekannte Reisende Dirulafog auf Veranlassung der Gesellschaft für jüdische Studien in Paris einen Vortrag über das Buch „Esther" und den „Palast der Ahasver". Er betonte die Authentieität des Buchs Esther, die in neuerer Zeit vielfach angefochten