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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 190

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 190 (sequence 22)
Language
German
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190 ringen. — Der Kantor der israelitischen Gemeinde in Kegensliurg, Herr Laudenbacher, begeht am 21. Jnli sein sechzigjähriges Dienstjubiläum und zugleich seinen achtzigsten Geburtstag. — Herrn Kommerzienrat Salomon Weigert in Berlin ist am 2. Mai von dem Vorstande der Weberinnung in Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung der vaterländischen Weberei das Diplom als „Ehrenmeister" überreicht worden. — Der Stadtrat a. D-, Herr Fachmann in Berlin, Rittergutsbesitzer von Prillwih, welcher von der Gemeinde Pyrit; mit 4080 Mark Steuer veranlagt wurde, ist vom Oberverwaltungsgerichte auf seinen Rekurs hin abgewiesen worden und somit zur Zahlung der ihm aufgelegten Steuer verpflichtet. — In Berlin soll eine neue Gemeinde-Synagoge erbaut werden, die der in der Oranienburgerstraße an Pracht nicht nachstehen soll. — Am 22. Mai fand in Kawitsch in feierlicher Weise die Grundsteinlegung der neuen Synagoge statt. — Am 27. Mai wurde in Köln eine B'nei-Berith-Loge installiert. — Am 15. Mai stürzte in Cjsenheim das alte israelitische Bethaus zusammen. — In Ködelhcim wurde jüngst ein jüdischer Bettler aus Polen verhaftet. Man fand bei demselben 20000 Mark in Wertpapieren und einige hundert österreichische Gulden. — Die konfessionelle Beschränktheit zeitigt in unserer Zeit noch recht traurige Früchte. Der evangelische Pfarrer Harpprecht von Trochtelfingen (Württemberg) hat seine Gabe für die Ueberschwemmten (zwanzig Mark) mit der ausdrücklichen Bestimmung an die fromme „Deutsche Reichspost" eingesandt, daß sein Geld nur „für evangelische Glaubensgenossen" verwendet werde. Sehr richtig bemerkt der „Beobachter" zu diesem Vorgehen des Trochtelfinger Verkündigers christlicher Liebe: Es wäre auch in der That unpriesterlich gewesen, wenn mit diesem evangelischen Goldstück die Not eines „Reformierten", eines Katholiken oder — man schaudre! — gar eines Juden gemildert worden wäre. Die Elemente haben keinen Unterschied gemacht, als sie über die Tiefebenen des deutschen Nordens dahinstürmten, Städte und Dörfer zertrümmernd, meilenweite Flächen fruchtbaren Landes unter Schlamm und Schutt begrabend. Aber der Pfarrer von Trochtelfingen, der macht einen Unterschied. Wer nicht auf die augsburgische Konfession getauft ist, mag zusehen, wo ihm geholfen wird! — In einer abgehaltenen Versammlung des „Konservativen Nordvereins" gab Herr Hofprediger Btöcker seiner neuen Stellung zur Judenfrage Ausdruck. Anknüpfend an den Satz, „Fürchtet Gott, ehret den König und habt den Bruder lieb", betonte er, daß der einzelne Jude von den kirchlich gesinnten Christen vor Haß geschützt sei, da dieser doch auch dem alten Testamente Achtung zu bezeigen habe. Nur den übermäßigen Einfluß des Judentums werde der kirchlich gesinnte Christ bekämpfen. Diese Schwenkung des Herrn Hofpredigers, die Liebe und Haß zugleich kündet, leidet sehr an Unklarheit. Das Judentum werden die Herren vergebens bekämpfen. Es ist zu stark in sich. — In Ijirfdjberg schlug der evangelische Gemeinderat es ab, den Herrn Hofprediger Itöcker in der „Gnadeukirche" eine Predigt halten zu lassen. — In iiediliitgljimlcn wurden fast sämtliche Grabsteine auf dem jüdischen Friedhofe umgestürzt und beschädigt. — Aus China wurden zwei jüdische Boten nach Europa entsandt, um die Sitten und Bräuche ihrer jüdischen Mitbrüder in Europa kennen zn lernen. Dieselben, in Hamburg angelaugt, haben bereits nach dieser Richtung hin Beobachtungen angestellt. — Die österreichische Regierung soll den Statthalter-, Landeshauptmann- und Staatsanwaltschaften die Weisung gegeben haben, den Antisemitisinus, der auch als Antiösterreichertum in Erscheinung getreten, zu bekämpfen. — Herr Minister Dr. v. Gautsch hat am 17. Mai im Äusschusse des österreichischen Abgeordneten-

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