Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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192 wurde- — Am 7. Mai wurde Herr George Tandel Philipps in London an Stelle seines Vaters zum Aldermann erwählt. — In Dalllo», dem nördlichen Teile Londons, wurde die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge feierlich begangen- — Die Stadtvertretung von Kammnec-Podolski hat nach St. Petersburg eine Deputation entsendet, die Negierung zu bitten, die gegen die Juden erlassenen Ausweisungsbefehle rückgängig zu machen, da die Bürger durch die hierdurch entstehende Entwertung der Güter ihren Verpflichtungen dem Staate gegenüber nicht Nachkommen könnten. — Der Bischof Fürst Iea» Postna hat auf seiner Durchreise in Bolllici» eine Rede gehalten, in welcher er die Liebe der Menschen zu einander, ohne Unterschied des Glaubens und der Religion, zu seinem Thema wählte. „Wisset Ihr nicht", rief er aus, „daß auch der jüdische Glaube uns heilig ist? und ferner, seit Ihr nicht Brüder, denn Jakob war ein Bruder Esau's, warum feindet Ihr Euch gegenseitig an?" Die Worte des Kirchenfürsten machten einen tiefen Eindruck auf die andächtige Menge. — Der jüngst verstorbene S. Poliolrof in St. Petersburg soll große Summen für jüdische und allgemeine wohlthätige Institute testamentarisch bestimmt haben. — In Palongen in Rußland starb Rabbi Elias Beer Lewilohn, genannt Krotinger,nach seinem Geburtsorte. Derselbe galt als talmudische Kapazität. — In Iiiiiiland werden sämtliche dortansässige Juden ausgewiesen. — Es ist beachtenswert, daß die zwei hervorragendsten Begründer der modernen Malerei in Rumänien Juden waren und zwar Herr Konstantin Panikl Koscnthat und Herr Barb» Zocowasku. — Man berichtet uns aus Peiv- IJoi'lt: Die Herren Rabbiner Dr. Gottheit und Dr. Köhler hielten in den Synagogen Emanuel und Beth-El jüngst Reden, welche Zeugnis davon ablegen, welch' großer Sympathien sich der hochselige Kaiser Friedrich im Lande der Republikaner erfreute. Herr Dr. Gottheil rief aus: „Wir sind zwar Republikaner, aber wir bewundern den Seelenadel dieses Menschen. Bei Friedrich ist der Mensch größer als der König. Seine Mahnung für seinen Sohn: „Lerne ohne Murren zu ertragen" wird in der Geschichte als das Wort eines von Natur edlen Menschen fortleben. Unsere Glaubensgenossen haben besonders Grund seiner zu gedenken. Als die hungrigen Juden freundelos in dem Lande waren, das sich seiner Philosophie, Wissenschaft und Gelehrsamkeit rühmt, schützte sie allein seine Hand. Jeder Augenblick seines Lebens ist eine Handlung der Liebe und Wohlthätigkeit, seinem Volke und der Menschheit gewidmet. Laßt uns für einen solchen Mann nicht nur Wünsche, sondern innige Gebete zum Himmel emporschicken. Möge er uns erhalten werden, dainit sein Einfluß und Beispiel weiter für die Menschenliebe wirke. Herr Di-. Köhler erwähnte in seiner Predigt gleichfalls des Kaisers und sagte, gerade für die amerikanischen Bürger gezieme es sich, für einen Manu zu beten, der als leuchtendes Vorbild für großherzige Menschenliebe dastehe, der besonders in den Zeiten der Not die Juden vor Verfolgung schützte und diese eine Schmach des 19. Jahrhunderts nannte. Da er versichert sei, sagte der Redner, daß er die Sympathie und Billigung der Anwesenden hätte, sprach er zumSchlusse ein inniges Gebet für das Wohlergehen Kaiser Friedrichs. Inhalt: Unsere Klage um Kaiser Friedrich. — Denkmal eines Frühvöllendeten. Bon f>r. David Selver. — L. Steinheim als Dichter und Religiousphilosoph. Bon Dr. S'eckelmacher. — Die Sprüche der Väter und ihre historischen Beziehungen. Bon Rabb. De. S. Friedmann in Lublinitz. (Forts.) — Die sociale Frage im Judentum. Von _Dr. Adolf Kurrein, Rabb. und Prediger in Teplitz. — Monatsschau. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aufsarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.