Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 185 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969754-2969763--2341-2972520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

185 Hier scheint die Lebensart des zur Zeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels dem Taldmnd-Chacham höchst feindselig gesinnten Am-Haarez (vgl. oben zu 2, 11) gezeichnet zu sein, welcher gerade den Vorschriften der Gesetzeslehrer zuwiderhandelt und anstatt des Morgens das „Schema" zu lesen, die Schlafenszeit ausdehnt, anstatt sich des viele n Weingenusses zu enthalten, sogar um die beste und günstigste Arbeitszeit ihn genießt (vgl. Midrasch Ber. Rabba P. 89, Sanhedr. 72) und anstatt Wohlgefallen an der Lehre zu finden, das Geschwätz der Kinder, das davon abhält und abzieht, liebt. Wer aber so, wie der Am-Haarez lebt, sich mit ihm „Rendez-vous“ gibt und von seinem Wesen und seinen Eigenschaften annimmt, der geht der (sittlich-religiösen) Welt verlustig, (2, 11 ist auf das physische Leben zu beziehen). 11. Rabbi Elasar aus Modiim sagt: Wer die Heiligtümer (od. „Sabbathe" nach Abot. d. r. Nathan) entweiht, die Feste verachtet, seinen Genossen vor vielen beschämt (dieser Passus ist vielleicht eine spätere Glosse, da er in Aboth d. r. Nathan fehlt), den Bund mit Abraham, unserem Ahn zerstört und der Halacha nicht entsprechende Deutungen der Thora knndgibt, hat, wenn auch Wissen und gute Werke sich bei ihm finden, keinen Anteil an der zukünftigen Welt". Dieser Spruch charakterisiert die Hadrianische Verfolgungszeit, in der gar Mancher aus Furcht vor der Todesstrafe (s. oben 3, 2h) bei aller inneren Anhänglichkeit und Treue, doch äußerlich dem Zwange nachgab und die Zugehörigkeit zum Judentume verleugnete. Die so furchtsame Nachgiebigkeit jedoch verurteilte R. Elasar, der entschiedene und eifrige Anhänger des R. Akiba. — Möglich auch, daß der Spruch sich im Besonderen gegen den an Wissen bedeutenden Elischa ben Abnja wendet, den entschiedenen Gegner des R. Akiba, welcher der Gnosis huldigte, mit dem Judentume zerfiel und gegen die geltende Halacha lehrte (s. Weiß., a. a. O. II, 140 ff.). 12. „Rabbi Jsmael sagt: Sei gefällig gegen das Oberhaupt und schmiegsam gegen die Herrschaft, und empfange jeden Menschen freudig". Die Beziehung dieses Spruches dürfte dem Sinne nach dieselbe sein, wie diejenige des, wenn auch der Zeit nach früher gethanen Spruches 3, 2 a (s. oben), wie denn auch N. Jsmael ein Gegner des späteren Barkochba-Aufstandes gewesen zu sein scheint, weil er die Erfolglosigkeit desselben und die daraus resultierende Härte der Römer vorausgesehen, und dann auch zu Denen gehörte, welche sich nicht durchaus der Todesgefahr aussetzen und l^t grausamen Edikten Hadrians zum Opfer fielen, sondern eines natürlichen Todes starben (Nedarim 66 b). 13. „Rabbi Akiba sagt: Scherz und Leichtsinn gewöhnen den Menschen zur Unzucht. Tradition ist ein Zaun für die Lehre, Zehnten ein Zaun für den Reichtum, Gelübde ein Zaun für die Enthaltsamkeit, ein Zaun für die Weisheit ist Schweigen". Pie sociale Irage im Judentume. Von Dr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. „So jemand verkauft ein Wohnhaus in einer Stadt mit Mauern, so hat er das Einlösungsrecht bis ein Jahr seit dem Verkaufe zu Ende ist; ein volles Jahr hat er das Einlösungsrecht. Wenn es aber bis zum Verlauf eines Jahres nicht eingelöst wird, so bleibt das Hans, das in der Stadt mit einer Mauer, verfallen seinem Käufer auf feine Geschlechter, es wird nicht frei im Jobel." 16

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.