Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Religionsgeschichte 1, 163), und dementsprechend weist der in unserem Spruche auf den Baum, und „Nir“ auf den Neubruch der Erkenntnis in diesem Garten hin. 8. „Rabbi Dositheos, Sohn Jannai's, sagt im Namen des Rabbi Me'tr: Wer auch nur ein Wort von seiner Mischnalehre vergißt, dem rechnet es die Schrift an, als wenn er sich an seiner Seele versündigte, denn es heißt (Dent. 4, 9): „Nur hüte Dich und hüte Deine Seele sehr, daß Du nicht die Worte vergessest, welche Deine Angen gesehen haben. Nun könnte man meinen, (daß dies der Fall sei), auch wenn die Mischnalehre ihn überwältigt hat, (aber) es besagt die Schrift (das.): „Und daß sie nicht weichen aus deinem Herzen alle Tage deines Lebens"; folglich versündigt man sich nicht an seiner Seele, bis man sie ausdauernd aus seinem Herzen verbannt." Dieser Spruch hat wohl dieselbe Tendenz wie der vorhergehende, indem er (dem Sinne nach) davor warnt, etwa durch Beschäftigung mit anderer Lehre und durch Vertiefung in eine andere „Erkenntnis" das eigene Gesetz und die eigene jüdische Lehre aus seinem Sinnen und Denken zu bannen. 9. „Rabbi Chanina, der Sohn Dosccks, sagt: Wem Sündenscheu vor Wissen geht, dessen Wissen hat Bestand; aber wem Wissen vor Sündenscheu geht, dessen Wissen hat nicht Bestand. — Er Pflegte zu sagen: Wessen Thaten das Wissen überwiegen, dessen Wissen hat Bestand; aber wessen Wissen die Thaten überwiegt, dessen Wissen hat nicht Bestand". Dieser fromme und wnnderthätige Schüler des R. Jahanan ben Sackai (s. Brüll, I. Einl. in d. Mischna 1, 61), der selbst kein Halachist gewesen, ermahnt mit seinem Spruche zur praktischen Frömmigkeit, von welcher er den dauernden Bestand des Wissens abhängig macht. — Vielleicht daß er noch besondere Beziehungen enthält auf Ben-Soma und R. Akiba, welche zu denen gehörten, die ins Paradies der Gnostik eingegangen sind (s. oben 3, 7 b), von denen aber der elftere sich eine Verstandeszerrüttung zngezogen haben soll, während R. Akiba glücklich der Gefahr entkommen und trotz seiner Beschäftigung mit der Gnosis doch auf dem Boden des Judentums geblieben ist, eben deshalb, weil dieser gerade die Sündenschen und wirksame Lebensthaten höher geschätzt hat als das (gnostische) Wissen. 10 n. „Er pflegte zu sagen: Wem der Menschen Gemüt geneigt ist, dem ist Gottes Gemüt geneigt; und wem nicht der Menschen Gemüt geneigt ist, dem ist Gottes Gemüt nicht geneigt". Die historische Beziehung dieses Spruches dürfte zu finden sein in dem mißhelligen Verhältnis, welches zu einer Zeit zwischen R. Gamliel II. in Jab ne und seinen Kollegen im Synhedrium obgewaltet in Folge der strengen, diktatorischen Handhabung der Patriarchenwürde. Insbesondere ließ Gamliel seine höhere Stellung durch unwürdige Behandlung des beim Volke angesehenen und im Lehrhause beliebten R. Josna ben Chamanja empfinden, der ihm oft bei den Verhandlungen und Einrichtungen und Bestimmungen entgegentrat, bis schließlich die gegenseitige Feindseligkeit offen zum Ausbruch kam und zur Entsetzung Gamliel's von der Patriarchenwürde führte. Dieses Faktum gewissermaßen als ein Gott wohlgefälliges zu preisen, weil es den Menschen richtig, gut und notwendig erschien, ist wohl die Tendenz des Spruches. 10 b. „Rabbi Dossa, der Sohn des Hhrkan, sagt: Der Schlaf zur Morgenzeit, der Wein zu Mittag, Kindergeschwätz und der Aufenthalt in den Versammlungshäusern der Landleute (des ungebildeten und des unwissenden Volkes) schaffen den Menschen aus der Welt."