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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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181 ein scheinbar substa nzielles Gegensätzliches verwandelt. In Wahrheit bleibt nur „Berg" als eine Substanz; Thal ist leere Anschauung und kein substanzieller Gegensatz zu Berg. Der Berg, d. h. das Durcheinander von Fels, Metall, Erde rc. ist in Wahrheit ein 'gegensatzloses Ding, wie Buch, Sonne und dergleichen?) Sehen wir nun zu, wie Steinheim mit diesem von ihm entdeckten Prüfstein es unternimmt, auch im Gebiete des Uebersinnlichen, das, was uns als Offenbarung, d. h. als von außen auf uns gekommene Kenntnis eines Wirklichen gelten muß, von dem, was nur der Mensch ans sich herausgesponnen, klar und scharf zu unterscheiden. Beide, sowohl die Offenbarungslehre als auch die heidnische Religionsanschauung, haben ja nur geistig erfaßbare, weil übersinnliche Dinge zum Gegenstände. Allein die'heidnischen Lehren von Gott, Welt und Ethik — behauptet Steinheim — tragen genau die Spuren des Ursprungs ans dem menschlichen Denken an sich, während die Grundlehren, auf denen die mosaische Lehre ruht, genau die Merkmale der Realität, wie die Dinge der wirklichen Welt, darbieten. Forschen wir nach dem Grundprinzip, ans welchem die heidnische Theologie in ihren verschiedenen Stadien heranswächst, so zeigt sich überall der Widerschein unseres eingeborenen Denkgesetzes von Satz und Gegensatz. Ans dem Urchaos läßt das natürliche, von der Offenbarung unbeeinflußte Denken emporsteigen die gleich ewigen Gegensätze wie: Ormuzd—Ahriman, oder Moloch— - Astarte; oder Adonis—Venns, oder Stoff—Weltseele u. s. w. Selbst auf der höchsten Stufe hellenischer Spekulation — bei Aristoteles — ist dieser deutlichste Stempel des natürlichen Denkens, die Gegensätzlichkeit, nicht überwunden. Auch Aristoteles kennt keinen wahren Monotheismus. Sein einiger Gott ist nicht der Eine, wesenhaft wirkliche, persönliche Gott der Bibel; die Einheit seines Gottes ist nur eine Begriffseinheit, eine gedenkliche Zusammenfassung aller Antithesen und Modifikationen zu einem Wesen, in welchem sie alle, eine durch die andere gebunden und aufgehoben, sich, wie man philosophisch sagt, in der Indifferenz befinden. Es ist eine Kollektiveinheit, keine Einzigkeit. Der Gott des Aristoteles ist daher in Wahrheit ein „Urnichts", ohne Charakter und Eigenschaften, ein Unthätiges, Ruhendes, von dem sich eben Nichts sagen läßt, als die absolute Verneinung; aber in ihm und aus ihm entspinnen sich alle Gegensätze, und als allererster die Materie und der Geist, — kurz, wir kommen wieder aus der scheinbaren Lehre der Einheit zur faktischen Lehre der Vielheit?) Der Gott des Heidentums in seiner höchsten Entfaltung ist die Einheit der Allheit, der Monismus auch der modernen Philosophie. Dagegen lehrt die Bibel den Einen Gott nicht als eine alle Dinge begriffsartig in sich befassende Einheit, sondern als einen einzigen anßerweltlichen, persönlichen Gott, der Alles erst erschaffen und daher erhaben ist über alle Gegensätze, dein Nichts als Gegensatz gegenüberstehen kann, sowenig wie irgend einem faktischen Dinge in der wirklichen Welt. Wie kam der Menschengeist zu der Idee solchen Gottes? Sie kann nicht das Erzeugnis des Denkens sein, denn dann müßte sie jenes Gepräge der Gegensätzlichkeit und Nichtigkeit an sich tragen, wie es das Heidentum auf allen Stadien zeigt. Sie kann also nur von außen in unseren Geist gelangt sein, wie irgend ein Ding der Wirklichkeit, d. h. sie ist uns offenbart worden; eben dar- *) Steinheim II. Seite 64, 66, 67. 2) Steinheim 1. 29s, II. Seite 125.

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