Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 lief), da die 9tötip»g za seiner Aiiiiahiiie nicht vo» Aaste», sonder» von unserem eigenen Innern gekommen. Ganz so aber wie mit den Borstellungen im Bereiche des sinnlich Wahrnehmbaren ist es mit denen des Uebersinnlichcn, mit denen der Religion. Auch da werden wir, was der Wirklichkeit entspricht, durch den Charakter des Zufälligen, das aber, was bloßes Denkresultat ist, an dem Charakter des Notwendigen erkennen. Ja noch schärfer tritt uns zuweilen dieses Merkmal der Unterscheidung stoischen dein Wesenhaften und dem bloß Gedachten entgegen. Die Wirklichkeit zeigt manchmal Erscheinungen, von denen das natürliche Denken, sich selbst überlassen, das schnurstracks Entgegengesetzte anzunehmen sich würde veranlaßt gesehen haben. So z. B. die Elastizität der Körper. Der sich selbst überlassene Verstand würde von selber nimmer darauf gekommen sein, würde es im Gegenteil für widersinnig gehalten haben anzunehmen, ein Körper solle bald einen kleineren, bald einen größeren Raum erfüllen können. Aber die Thatsache belehrt ihn eines andere», die Thatsache korrigirt seine Schlüsse, ja zwingt ihn gegen seinen eigenen Kalkül das Entgegengesetzte anzuerkennen. Das Merkmal des Wirklichen gegeniiber dem bloßen Denkresultat wird also auch darin bestehen, daß jenes — das Wirkliche — nicht nur für unseren Verstand etwas Zufälliges ist, sondern sogar zuweilen das schnurstracks gerade Gegenteil vom deni enthält, was der Verstand in seinem natürlichen Gange für wahr erkennen würde, der Verstand sich aber gleichwohl durch die Gewalt des Existenten genötigt sieht, seinen Kalkül aufzugeben und deni Existenten sich zu beugen. Und endlich stellt Steinheim im Anschluß an Aristoteles noch ein drittes Unterscheidungsmerkmal auf zwischen dem Wirklichen, Wesenhaften und dem, zu dessen Annahme nur das abstrakte Denken, die Philosophie, geführt. Das Wirkliche ist gegensatzlos. „Vom Wirklichen läßt sich bloß sagen, daß es sei oder nicht sei, aber ein Gegenteil seiner existirt nicht. Es ist ganz da, und nicht in zwei logisch sich setzenden und entgegengesetzten Hälften." Ein Stuhl, ein Baum ist ohne sein Gegenteil. Anders das bloß durch das Denken Erzeugte. „Unser bewußtes, wissenschaftliches Denken denkt ewig in zwei, einander entgegengesetzten und sich anfhebenden Antithesen," ja muß so denken, muß dem Satze in Gedanken seinen Gegensatz zugesellen, weil kein Beweis ohne den Nachweis der Unmöglichkeit des Gegensatzes vollziehbar. Thesis und Antithesis, Substanz und Aecidenz, Ich und Nichtich, und so ins Unendliche — das ist der endlose Strudel, in den das Denken Alles, was es ergreift, hineinreißt und so verflüchtigt; verflüchtigt — sagt Steinheim: denn jeder Gegensatz verhält sich zu seinem Satze aufhebend, neutralisirend; die Gegensätze müssen iit ihrem Zusammenfällen im Geiste in Nichts anfgehen, es kann also im eigentlichen reinen Denken ein wahrhaftiges, wirkliches Sein gar nicht Vorkommen.— Wirft inan ein, daß uns ja auch die Wirklichkeit Gegensätze zeige wie Licht und Finsternis, Berg und Thal, so erwidert Steinheim: Licht und Finsternis seien nur als Denkformen wahre Gegensätze, in der Wirklichkeit sei auch das Licht, als etwas Wesenhaftes, ohne Gegensatz. Es ist da oder es ist nicht da. Finsternis bedeutet nicht einen Gegensatz znm Lichte, sondern nur dessen Abwesenheit. Ebenso beziehe sich der Gegensatz „Thal" nicht ans den wirklichen, aus Felsen, Metall, Wald rc. bebestehenden Berg, sondern nur auf die Höhe eines Berges; Thal aber bezeichne nur einen Nichtberg, das Nichtdasein einer Masse, die sich ans einer Ebene erhebt. Wir haben nur unvermerkt das reine Anschauen im Räumlichen, das nach Kant ein rein geistiger, innerer Vorgang ist, hoch und tief, oben und unten in