Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Wehmut werden ihnen über die Wangen rinnen. — Ja, so warst du, thenrer, unvergeßlicher Lehrer und Freund, ganz so, wie dein Bild uns hier entgegentritt: ein Mann voll hohen Sinnes und heiligen Strebens, voll Wahrheit und Liebe, voll Glauben und Treue, streng und wahr gegen dich selbst, wahr, nachsichtig gegen Andere. Möge dein Andenken, das nie aus unserem Herzen schwinden wird, uns alle Zeit ein Segen sein! Gothenburg, im Mai. Di-. David Selver. S. L. Steinheim als Dichter und Wetigionsphitosoph. Vortmq, gehalten im Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. am 29. Februar 1*88 von Di-. M. Steckelmacher. (Fortsetzung.) Mit dem „neuen Acker" meint Steinheim, wie er im Vorworte zu dem ersten Teil seines religionsphilosophischen Werkes sagt, die Jugend. „Ich zähle nicht" — sagt er — „auf die Glücklichen, nicht auf die Zufriedenen, nicht auf die Reichen; ich habe mein Auge gerichtet auf die Jugend niit ihrem Schmerze und ihrer Sehnsucht, mit ihrer Reizbarkeit für Licht und Recht, noch von keinem demütigendeil Lebensverhältnisse geschwächt, von keiner Indolenz der Bequemlichkeit gelähmt, und von keinem irdischen Gewinne zerstört. Hier mag das Wort gehen von Herzen zu Herzen, und da wirken, wo die edelsten Geistesblüten dem Ausbruche entgegenwachsen, und aus der vollen Knospe hervorzubliihen im Begriffe steh'n." Die Jugend vor Allen hofft und wünscht Steiuheinr für seine Ueberzeugungen zu gewinnen. Ueberzeugungen aber, wie fest sie auch in einem Gemüte wurzeln, sie haben als solche etwas Persönliches, Unübertragbares an sich; sie vermögen wohl Andere mit empfänglichen Herzen eine Weile zu entflammen, mit sich fortzureißen, aber nicht weiter zu überzeugen, sie seien denn vorher durch wissenschaftlich verbürgte Erkenntnis zu dem Ansehen von Wahrheiten gelangt. Diese letztere Art der Belehrung aber — hiervon ist Steinheim völlig durchdrungen — die Belehrung auf wissenschaftlichem Wege müsse auch hinsichtlich dessen, was wir geoffenbarte Religion nennen, hinsichtlich des Faktums der Offenbarung, gegeben werden können, oder es sei um alle Autorität der Religion geschehen. Diese Ansicht betont Steinheim mit besonderem Nachdrnck gegen die herrschenden Philosopheine der Schleiermacher, Jacobi, Marheineke und Anderer, welche die Offenbarung mystisch auffassen als eine „innere Erfahrung oder Erleuchtung", als ein „inneres Anschauen", als „Gefühl" und „Erlösungsbedürfnis", Philosopheme, welche durch ihre äußere Politur die unter ihrem Eindruck aufwachsende Jugend eine Zeit lang anziehen mögen, aber auf die Dauer keinen Halt gewähren. Wodurch sollte sich denn da noch Religion von Philosophie, Offenbarung von Heidentum unterscheiden, da beide dem menschlichen Geiste entspringen? In der That sei denn auch Schleiermacher dazu gelangt, die Platonische Theologie der biblischen gleichzuschätzen; er sei dabei ganz folgerichtig verfahren, da er von der Voraussetzung ausgeht, Offenbarung bestehe lediglich in einem inneren Seelenvorgang, beruhe auf dem Gefühl. Allein eben jene Voraussetzung sei eine falsche, unwissenschaftliche. Nach derselben werde der Begriff „Offenbarung" völlig verwischt und verflüchtigt, den willkürlichsten