Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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177 zuerst für die Dürftigen gesetzlich gesorgt worden, nicht durch Almosen, sondern durch Gebühr (Ze<kk;i). Von gleicher Kraft und Originalität in der Invention und Textbehandlung, aber geradezu von prophetischer Hoheit und hinreißender Macht der Rede ist die in der bezeichneten Sammlung der vorhergehenden sich gleich anschließende Neujahrspredigt von 1883 (S. 15 ff.) Auf Grundlage des Psalmwortes (119, 89, 99) „Für die Ewigkeit, Herr, steht aufrecht Dein Wort am Himmel. Von Geschlecht ans Geschlecht pflanzt Deine Treue und Dein Glaube sich fort. Du gründest die Erde und sie steht fest," führt der Redner den erhebenden, alle trüben Tage der letzterlebten Jahre aufhellenden, alle dunkeln Gestalten der Gegenwart überstrahlenden Gedanken aus: „Israel geht nimmer unter, denn es ist für die Ewigkeit der Träger des Gotteswortes; Israel geht nimmer unter, denn es ist der treue Stamm de r Glaubenszeugen; Israel geht nimmer unter, denn Gottes sind die Pfeiler, ans denen die sittliche Weltordnung ruhet." — Der Leser erkennt an den scharfen Umrissen dieser Formulierung des Themas den herrlichen Gedankenban, der in dieser Predigt sich erhebt. Er trete ein! Er wird ihn nicht anders als gestärkt au Geist und Gemüt verlassen und „gekräftigt in Adonai in seinem Namen wieder dahin ziehen" des Lebens Bahn. Die besprochene Sammlung enthält achtzehn Festpredigten und fünfzehn Gelegenheitspredigten. Wir haben die uns hier für diese Zeilen gezogenen Grenzen schon uni vieles überschritten und müssen es uns versagen, in der Kennzeichnung des bedeutsamen Inhalts und edlen Gepräges dieser Predigten fortznfahren. Von der bezeichneten zweiten Abteilung wollen wir jedoch einige unter den Ereignissen namhaft machen, bei denen der selige Frankl Zeugnis abzulegen hatte für die idealen sittlich schöpferischen Mächte des Judentums, wie sie im Leben einzelner ihm angehörender hervorragenden Persönlichkeiten und in hervorragenden Werken der Berliner Gemeinde sich bewährt und wirksam gezeigt haben. Solche Ereignisse waren: die fünfzigjährige Jubelfeier der Alter- Versorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde Berlin 1879; Weihe des neuen Friedhofs 1880; Einweihung der neuen Alters-Versorgungsanstalt 1883; Gedächtnisfeier für den verewigten Rabbiner Ui. Jos. Aub 1880; Gedächtnisfeier für den Vorsitzenden des Gemeinde-Vorstands Geh. Rat Meyer Magnus 1883; Gedenkrede ans Professor Dr. Peter Theophil Rieß (derselbe war das erste jüdische Mitglied der K. Akademie der Wissenschaften in Berlin) 1883; Gedächtnißrede auf Eduard Lasker 1884; Enthüllung des Grabdenkmals desselben 1885; Gedächtnißfeier für Berthold Auerbach; Gedenkrede auf Moses Mendelssohn 1886. Die Alten haben das Schriftwort „bewegend die Lippen der Schlummernden" (Hoh. Lied 7, 10) in ihrer sinnigen Weise ans das Fortwirken der Edlen und Weisen gedeutet: „Sobald man ihre Lehren wiederholt, bewegen sich ihre Lippen im Grabe." So mögen denn auch die Lippen dieses Entschlafenen, der ein Edler und Weiser in Israel war, in seinen hinterlassenen Worteil fortwirkend, sich bewegen und sein Wort, das so gediegen, so tief, so lveise lvar, nicht aufhören, zu uns zu reden, nachdem der fromme Mund so früh, ach, gar zu früh, geschlossen wurde. — Allen aber, die wie der Unterzeichnete so oft an seinen Lippen hingen und von den Worten, die ihnen entströmten, sich „gekräftigt fühlten in dem Ewigen, daß sie in seinem Namen dahinziehen" mochten, wird es beim Lesen dieser Predigten so widerfahren wie ihm: Thränen der