Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 kennzeichnet die tiefsittliche Natur, den gediegenen Lebensernst Israels, daß sein Sprachgeist, dieser untrüglichste Zeuge seines innern und verborgenen Geisteswaltens, für den Beschluß und Inbegriff alles Segens das Wort seluilom (Friede) setzte, das seiner Wurzel nach Vollkommenheit bedeutet, den Lohn jeder ernsten Selbstvervollkommnnng, den Preis für jedes redliche Streben nach Vollendung. . . . Nur ein der Vollkoinmenheit zustrebendes Leben kann wahren Frieden in sich bergen; nur im Antriebe zum Höchsten liegt auch stets die höchste Befriedigung . . ." Also bedeutet ihm der grüßende Zuruf „ntt-i seluilom“ (du seiest Friede): „Vervollkommne dich selbst und dir werde Friede!" „Dein Leben werde ein volles und reiches Mühen nach vollendeterem Wissen . . . nach lauterem Wollen und Wirken . . . nach innigerem Glauben, nach sittlicherem Wandel." Die weitere Ausführung dieser sittlich idealen und im eigentlichen Sinne jüdisch religiösen Forderung knüpft er an die prophetischen Zurufe: „Stelle dir hohe Zeichen ans!" (Jer. 31, 20) „Setze dir hochragende Pfeiler!" (Daselbst), weithin wirkende Wegzeichen auf deinem Gange dnrch's Leben; Hohem strebe der Mensch nach, zu Vorbildern erwähle er sich große Menschen, Träger heiliger Ideen . - ." „Richte dein Herz auf die Bahn, die du beschreibst" (Jer. daselbst) . . . laß das Herz die Richtung deines Wandels bestimmen! . . . Harre ans auf dem Wege zur Vollkommenheit, sie führt untrüglich znm Frieden!" . . . Wie der erste Teil des Grußes bedeutet auch der zweite „uMietheeha scliulom“ („und dein Hans sei Friede"): „Vervollkommne dein Haus, und deinem Hause werde Friede!" Von der Höhe der idealen Gesinnung, wie sie im ersten Teile ihren Ausdruck fand, ergießt sich hier der Strom der Rede in die lieblichen Thäler des jüdischen Gemüts und Familienlebens; es sind herrliche Worte über das jüdische Hans, die hier aus der Tiefe eines reinen Gemüts emporquelle». Der fromme Redner bekennt von sich, daß, so oft er sich zur Führung des heiligen Wortes vor der Gemeinde rüste, das mahnende Wort Koheleths ihm vor der Seele schwebe: Sprich doch nicht, was war's, daß die vergangenen Zeiten besser waren, denn die gegenwärtigen! Denn nicht aus Weisheit würdest du also fragen!" Aber in Einem wünsche er die Vergangenheit zurück, ganz so wie sie war: „Das jüdische Haus, die altväterliche Häuslichkeit in ihrer Einfachheit, Einigkeit und Innigkeit." Hier in dieser Schilderung und Belehrung über das jüdische Haus reiht sich Perle an Perle; wir können auch nicht einen Satz aus dem Zusammenhang lösen. — Mt dem dritten Worte des Friedensgrußes wendet sich der Redner an die Männer, denen der Erwerb obliegt, die den Kampf in des Lebens Notdurft zu führen haben. „Und Alles, was dein ist, sei Friede", heißt es im Text; „Vervollkommne deine Habe, und deinem Besitze sei Friede!" lautet die belehrende Mahnung. Die Ausführung handelt vom geistigen und materiellen Besitz. In Bezug auf den letztern deutet die Rede auf die in letzten Jahren gegen den „jüdischen Erwerb" gerichteten moralischen Angriffe hin. Der Israelit soll mit den Worten des Propheten sprechen können: „Wohl bin ich reich; wohl habe ich Vermögen mir erworben; aber bei all meinem Erwerb findet man keine Schuld die Sünde wäre" (Hosea 12, 9). „Und wie solchergestalt unser Erwerb ein gottgefälliger, soll auch unser Gebrauch der Gottesgabe es sein, sollen wir durch die That bekunden, daß Nächstenliebe und Menschenliebe vom Ursprung an in Israel heimisch .. .. Ja Israel darf sich nicht verkümmern, nicht schmälern lassen das hohe Verdienst, daß in seiner Mitte