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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 in der leuchtenden Flamme freier, gottinniger, menschenliebender Begeisterung seine Seele emportrug und seinem Worte eine so läuternde, befreiende und tröstende Kraft verlieh; die Sinnigkeit, niit der er das Bibelwort und den Genius der hebräischen Sprache zu belauschen und zu deuten wußte, die blitzähnlichen Worte aus Midrasch und Talmud, aus der Liturgie und Legende, die er wie Silberfäden seinen Predigten einzuweben verstand, — die Kenntnis dieser und ähnlicher Eigenschaften der Frankl'schen Predigten glauben wir, wenn überhaupt, nur dann durch einige wörtliche Auszüge aus denselben in entsprechender Weise vermitteln zu können. Wir würden am liebsten gleich damit beginnen, aber wir fühlen uns gedrungen, zuvor noch zwei Umstände zu erwähnen, deren Kenntnis für die Beurteilung gewisser Eigentümlichkeiten der vorliegenden Predigten uns notwendig scheint. Zunächst ist es die Entwicklung, die der selige Frankl in Bezug auf seine Predigtweise durchgemacht hat, und deren Spuren in einigen Erzeugnissen, die in dieser Sammlung Aufnahme gefunden, noch hie und da erkennbar sind. Mit dem Hinweis hierauf möchten wir uns zugleich gegen Jnsinuierung urteilsloser Verehrung und schülerhafter Befangenheit verwahrt wissen. Der Frühvollendete trat nicht gleich nach Absolvierung seiner theologischen und philosophischen Studien in das praktische rabbinische Amt; er lebte in Wien und bereitete sich für eine ihm in Aussicht gestellte Professur an der k. k. Landes- Rabbinerschule in Budapest vor. Inzwischen aber fiel die Wahl für das Berliner Rabbinat — es handelte sich um einen Nachfolger für Geiger — auf ihn, und er gab diesem Amte den Vorzug vor der Professur. Wie wohl ausgerüstet und innerlich berufen Frankl trotz seiner verhältnismäßig großen Jugend — er hatte damals das neunundzwanzigste Lebensjahr kaum überschritten — für das Rabinat war, braucht hier nicht erst hervorgehoben zu werden. Aber in einem Punkte befand er sich, aus einer mehr akademischen Atmosphäre in einen praktischen Wirkungskreis versetzt, in einer gewissen für ihn unbequemen Anfängerschaft und zwar in den Darstellungsformen der Predigt. Zu treu und gewissenhaft, zu selbständig und ursprünglich, um sich in ausgetretenen Geleisen zu bewegen und ungeprüft das Hergebrachte sich anzueignen, war er zu Beginn seiner Wirksamkeit als Prediger ein sich erst Orientierender, ja ein ernstlich Ringender. Aber wie schön hat sich an ihm das Wort bewährt: „Ich habe mich bemüht, darum habe ich gefunden!" Mit gediegenen Kenirtuissen und seltener Belesenheit auf dem Gebiete der rabbinischen Homiletik und Religions- Philosophie ausgerüstet, zugleich ein vollkommen modern durchgebildeter und geschulter Geist, streng und kritisch gegen sich selbst, feinsinnig und scharfsichtig, erkannte er nicht nur mit hellem, klarem Blick das Ziel und die Aufgabe der jüdischen Predigt in der Gegenwart, sondern fand auch gleich die Formen und den Lehrinhalt, die ihr entsprachen und die seiner Individualität und edlen Persönlichkeit entsprossen waren. Als ein Suchender beginnend, stand er gar bald als Meister da. Dessen sind die vorliegenden Predigten Zeugnis — der Meisterschaft aber auch hie und da des Ringens. Doch es sei mit dieser Andeutung genug. Den zweiten Punkt, auf den hinzuweisen uns hier nötig scheint, haben wir bereits berührt: wir sprachen von dem Ziel und der Aufgabe der jüdischen Predigt. Es kann sich für uns hier nicht darum handeln, diese Aufgabe zu entwickeln. Es ist dies übrigens bereits von berufenerer Seite geschehen, und in

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