Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1888)
- Date
- 1888-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 zum Ausdruck gelaugt, wird nur selten individuell betrachtet und aufgefaßt; es wird dies vielmehr als Anteil an dem objektiven Wissenschaftsgeiste bemessen, als Bethätigung dieses Geistes, als Erfüllung seiner Gesetze und Forderungen angesehen.' Anders verhält es sich mit dem Wort und Werk der Predigt. Dieses gilt nach Form und Inhalt als individuell und subjektiv und darf, ja soll es sein. In der individuellen, subjektiven Wahrheit und Wahrhaftigkeit ist zunächst die Würde und Unantastbarkeit, aber auch die wesentlichste Wirkung der Predigt begründet. Und da der selige Di-, Frankl während seiner zehnjährigen Amtsführung eigentliche Kanzelreden unseres Wissens nur zwei, Gelegenheitsreden kaum ein halbes Dutzend der Oeffentlichkeit übergeben hat, so besitzen wir in dieser aus seinem Nachlaß auf Wunsch Vieler herausgegebenen Sammlung von Fest- und Gelegenheits-Predigten ein kostbares Denkmal, das uns die Züge des tief innerlichen, sinnigen, zartfühlenden und zugleich verstaudsscharfen, ursprünglichen und geistvollen Mannes fast auf jeder Seite entgegentreten läßt. Wir würden uns aber einer sehr einseitigen Wertschätzung und Beurteilung dieser Predigten schuldig machen, wollten wir sie, wie es nach dem bisher Bemerkten scheinen könnte, ausschließlich oder auch nur vornehmlich als ein Andenken für die persönlichen Freunde, Verehrer und Schüler des Verewigten in Anspruch nehmen. Wir glauben daher gleich hinzufügen zu sollen, daß dieselben auch an sich selbst eine kostbare Bereicherung unserer Predigt-Litteratur bedeuten, und zwar um ein Werk von tief religiösem Inhalte, humanem Geiste und edelstem Gepräge; um ein Werk, das unserer Predigt-Litteratur zur Zierde gereicht, weil es ebenso sehr für das Können wie für das Wollen, für die ideale und erbauende Kraft, für den heiligen Ernst, für die religiöse Ursprünglichkeit und Selbständigkeit der jüdischen Predigt ein schönes, erhebendes Zeugnis ablegt. Wir wissen nicht, ob der Verewigte bei einer etwaigen von ihm selbst veranstalteten Veröffentlichung seiner Predigten die uns vorliegende Auswahl getroffen und ob er von den Konzepten nicht hier und da etwas zu ändern und zu bessern gefunden hätte. Aber auch in der Gestalt, in der sie sich in seinem Nachlasse vorgefunden, treten diese Predigten den klassischen Erzeugnissen der in unserem Jahrhundert zur neuen Blüte gelangten jüdischen Kanzelberedtsamkeit ebenbürtig zur Seite. Wären diese Blätter ausschließlich für theologische Leser bestimmt, so dürften wir es auch nicht unterlassen, dieses Urteil näher zu begründen; wir hätten die homiletisch hervorragenden Züge der Frankl'schen Predigt aus den entsprechenden Gesichtspunkten zu beleuchten und hätten hierbei Gelegenheit, die Kraft und Ursprünglichkeit ihrer Invention, die logische Strenge der Gedankengliederung, den Adel der stets von der Poesie des Bibelwortes getragenen, wahrhaft gesalbten, aber nirgends blos salbungsvollen und pathetischen Diktion durch Belege zu kennzeichnen. Doch so wenig wie der Prediger den homiletischen Apparat auf der Kanzel zur Schau stellen darf — Leibniz vergleicht einmal solche Prediger mit Schneidern, die die Nähte sehen lassen — ebenso wenig kann die Kennzeichnung desselben hier am Platze sein. Was jüngere Prediger und Studierende auch in technischer Beziehung aus den Fränkischen Predigten lernen können, werden sie selbst herausfiuden, wenn sie anders etwas zu lernen im Stande sind- Wovon aber der weitere Leserkreis hier Kenntnis zu nehmen ein Interesse hat: die hohe Auffassung des Judentumsund seiner unvergänglichen Gottes- und Sittenlehre, wie sie der selige Frankl, in so erhebender Weise predigte, das prophetische Feuer, das seine Worte durchglüht, aber nirgends in jener dunkeln Glut, die den blinden Eifer kennzeichnet, sondern