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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 erfüllen und mit dem ganzen Ernst seines edlen Wollens, seiner heiligen Begeisterung für Recht und Wahrheit die erhabenste Menschen- und Herrschertugend zu üben. So können wir auch von dem hohen Verewigten sagen, „sein Auge war nicht getrübt" auch als schon des Todes düsteres Gewölk über seinem Haupte lag, „seine Lebenskraft war nicht gebrochen", auch als er schon an des Grabes Pforten angelangt war. Ja, der hohe Verblichene hat auch in seinen Leidenstagen mit wachem Auge und hellem Blicke alles das zu erschauen gewußt, was geeignet war, des Landes Segen zu mehren, des Reiches Macht zu stärken, des Volkes Wohlfahrt zu erhöhen, und nicht als ein Sterbender, sondern als ein Unsterblicher hat er das Königsszepter mit der Festigkeit unerschütterlichen Pflichtsinnes geführt, bis es der Tod seinen Händen für immer entwand. Führwahr! ein Unsterblicher, zu dem wir bewundernd emporschauen, bleibt uns der hohe Entschlafene, denn er hat seinen Geist nicht der wandelbaren Tagesmeinung unterworfen, hat nie von schwächlichem Wankelmute seinen Willen beherrschen lassen, sondern selbständig in seiner Gesinnung, aufrichtig in seinem Urteile, stark in seinem Streben, ist er den edlen Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Menschenliebe, die in seinem Herzen heimisch waren, allezeit treu geblieben und hat, wo es erforderlich war, sie auch in seiner liebenswürdigen Leutseligkeit mit rückhaltsloser offener Entschiedenheit zum Ausdrucke zu bringen gewußt. Unvergeßlich bleiben für alle Zeiten die Ruhmesthaten des hohen Verewigten, der die Macht, Einheit und Größe des Vaterlandes mit begründen half, und unvergeßlich auch seine Friedenswerke, durch welche er die Veredlung der Sitten, den Fortschritt der Erkenntnis, den Aufschwung der Wissenschaft, die Bethätigung der Menschenliebe gefördert, ein unvergleichbares Vorbild seines Volkes geworden ist, ein leuchtender Stern an dem Himmel des Vaterlandes, vor dessen mildem Glanze alles Dunkel entschwinden mußte. Ach daß dieses Licht nur noch ans fernen Höhen uns zustrahlen soll! daß der edle Herrscher so bald in das Grab dahinsinken mußte, der als ein Auserwählter der Menschheit vor uns dastand, der rechte Mann für seine Zeit, der mit seiner hohen Stellung so hohe Eigenschaften des Geistes und des Herzens vereinte und dazu berufen schien, der Hüter des Weltfriedens, der Beglücker seines Vaterlandes, der Schirmer des Volkswohles, ein Wvhlthäter der ganzen Menschheit zu sein. Hoffend richten sich in dem tiefen Schmerze, mit dem wir heute das Hinscheiden des allverehrten Landesvaters beklagen, unsere Blicke auf den erlauchten kaiserlichen Sohn und Thronerben, unfern allergnädigsten Herrn, den König und Kaiser Wilhelm II. Erfüllt von dem Bewußtsein der hohen Verantwortlichkeit des Herrscheramtes, das Gott in seine Hand gelegt hat, tritt der jugendliche Fürst an die Spitze seines Volkes, dem er ein treues, für das Wohl des Vaterlandes warm schlagendes Herz entgegenbringt. Unter dem Eindrücke der weltbewegenden Ereignisse, die in die Zeit seiner Kindheit fielen, hat unser kaiserlicher Herr schon frühzeitig die Begeisterung für die Macht und Größe des Vaterlandes in sein Herz ausgenommen; er hat das ruhmreiche Wirken seines erhabenen Großvaters, das leuchtende Vorbild seines hochseligen kaiserlichen Vaters stets vor Augen gehabt und die heiligen Pflichten, die die Krone ihrem Träger auferlegt, er hat aus nächster Nähe sie kennen gelernt und jene Einsicht und Thatkraft erlangt, die iil dem ruhmreichen Königshanse von Geschlecht auf Geschlecht sich fortvererbt haben. Kommen wir daher unserem kaiserlichen Herrn mit dem liebevollen Vertrauen entgegen, das er selbst auch seinem Volke entgegenbringt! übertragen wir die hingebende Treue und Verehrung, die wir dein verewigten Vater geweiht, 1 *

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