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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 da tritt in unerwartet jäher Wendung der Tod an ihn heran und geschlossen ist für immer das Auge, aus dem die milde Huld des erleuchteten Herrschers uns entgegenstrahlte, und gebrochen das Herz, in dem der Geist allumfassender Menschenliebe einen lichten Thron sich anferrichtet hatte. Ach! warum mußte der edelste der Menschen, der trefflichste der Fürsten, der Herrlichste unter den Herrlichen, der gekrönte Geistesfürst, der Menschenfreund ans dem Throne, des Volkes treuer Hort, der allen Kindern des Vaterlairdes die gleiche schirniende Liebe, die gleiche wohlwollende Gerechtigkeit weihte, uns so frühe genommen, uns so bald entrissen werden? O wehe! wehe! „wehe um den Teuren, den wir verloren und nicht wiederfinden!" Wehe um den Unersetzlichen, dem unsere Verehrung nur noch Klagen und Thränen zu weihen vermag! Gezählt waren die Tage seiner Herrschaft, nur kurze Zeit war es dem hohen Entschlafenen vergönnt, die Krone seiner Väter zu tragen, und auch in diesen wenigen Wochen, welch' bange Sorgen, welch' schivere Leiden, welch' ein steter Kampf gegen die finsteren Gewalten des Todes, die sich ihr Opfer nicht nehmen, nicht entreißen lassen! Und doch! wie groß, >vie thatenreich, wie inhaltsschwer, wie bedeutungsvoll erscheint uns auch diese, >vie ein flüchtiger Traum dahingeschwnndene Zeit, wenn wir in ihr das Wirken unseres hochseligen Kaisers und Königs ins Auge fassen! Nicht ganz hundert Tage (ll. März bis 15. Juni 1888) sind es, die die Zeit seiner Regierung ausgefüllt hat, und doch können wir sagen, es ist unser ganzes Jahrhundert, das sie umfassen, es ist der aufklärende, menschenverbrüdernde Geist unseres ganzen jetzigen Jahrhunderts, der in dem erhabenen Wirken des Verewigten zur vollen lichten Ausprägung gelaugt ist. Wer hat sich nicht erhoben und begeistert gefühlt schon von den ersten kaiserlichen Worten, die die Botschaft des Friedens und der Gerechtigkeit in die weiten Lande hinaustrugen und eine heilsame, durchgreifende und dauernde Versöhnung der trennenden Gegensätze verhießen, die einer gedeihlichen Ausgestaltung der inneren Einheit des Vaterlandes bisher immer noch hinderlich im Wege gestanden sind? Wie die Verkündigung eines neuen Völkerfrühlings, wie ein lieblicher Erlösnngsruf klangen sie, die erhabenen vom Throne herabgesendeten Worte des hochseligen Königs, die eine so schöne Fortsetzung und herrliche Weiterentwicklung des von seinem unvergeßlichen kaiserlichen Vater begründeten Einheitswerkes in Aussicht stellten- Die Saat alles edleren menschlichen Strebens, die, stets von Neuem in den Acker der Zeiten gestreut, in unserem Jahrhundert allmählig aufznblühen begann, erschien uns hier als herrliche Frucht, gereift in dem Lichte der Geistessonne, die den Thron des deutschen Reiches bestrahlte. Der Held ans dem Schlachtfelde, der mit entsagnngsvollem unerschrockenem Mute für die Einheit und Größe des Vaterlandes zu streiten verstand, hier erkannten wir ihn als den milden hochherzigen Friedensfürste», der alle Herzen mit den Waffen der Liebe besiegt. Schwere Sorge trug das Volk um den geliebten Kaiser, der jeden Augenblick an der Grenze zwischen Tod und Leben stand, doch der Kaiser sorgte zuerst nur für sein Volk. Sein Volk zu beglücken, es mit Weisheit und Liebe zu leiten, ihm ein treuer Führer zu sein, ein Hüter seines Rechtes und ein Schirmer seiner Wohlfahrt, das war des Königs höchster Wunsch und einzige Sorge, die auch in Wochen bangen Klemmers ihn unausgesetzt beschäftigt, ihn auch auf seinem schweren Schmerzenslager nicht verlassen hat. Sein Dasein konnten die Leiden verdüstern, aber nicht fein Gemüt und sein Herz. Ihm >var der Tod so nahe, doch er stand mit feinem erhabenen Geisteswirken mitten im Leben und nichts konnte ihn daran hindern, seine Herrscherpflichlen mit voller Hingebung zu

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