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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-07-01 · Heft 7 (1.7.1888) · p. Seite 167

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (1.7.1888)
Date
1888-07-01
Page
Seite 167 (sequence 23)
Language
German
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167 Der geistreiche Redner nahm Anlaß, bei Schilderung des Lebens und Wirkens des Dahingeschiedenen, der von seinem Vater überlebt wurde, wichtige Zeitfragen, an deren Lösung der Entschlafene den regsten Eifer entfaltete, in der ihm eigenen ebenso eindringlichen wie geistvollen Weise zn behandeln. „Arbeite — und man wird dich bemerken, mache dich nützlich — und nian wird dich anerkennen", das war das Motto Poljakows, der Rußlands Industrie ans eigene Füße gestellt und der, weil er Jude war, dadurch die Vorurteile zerstört hat, die über seine Glaubensgenossen im Schwange waren. Redner spricht es aus, daß die Zeit kommen müsse, wo der düstere Nationalbegriff vor den Hellen Strahlen der Menschheitsidee verblasse» wird und die Juden, die echten Juden, ihrer Nationalbeschränktheit sich entringend, in den Hellen Kreis der Menschheit eintreten, wo ein Glaube, eine Hoffnung, eine Liebe alle Menschen umfangen wird und entwirft am Schlüsse seiner gehaltvollen Rede ein Bild voll dem Talmud, dessen allgemeine Moral edel und erhaben sei und den höchsten Zweck der Menschheit das „Messiasreich", das Reich der Liebe und des Friedens nie ans dem Auge verliere. — Unser Glaubensgenosse, Herr 1>r. Samnmihol in Warschau, Verfasser einer neuen Weltsprache, ist von bent Volapükvereine in Philadelphia mit dem Vorsitze in dem Kongreß beehrt lvorden, der deinnächst in einer Stadt Englands stattfinden soll- Auch wurde ihm die Wahl des Ortes anheimgestellt. — Am 10. Mai besuchte Fürst Ferdinand von Bulgarien auf seiner Rundreise durchs Land auch die israelitische Schule in Schlninla.— Unter dem Titel „Perach", Blume, erscheint in Calcnlta eine jüdische Wochenschrift arabisch mit hebräischen Schriftzeichen von der eine Hälfte speciell jüdischen Interessen gewidmet ist. — In Johannesburg in Africa hat die dort im Entstehen begriffene jüdische Gemeinde eine Synagoge erbaut; daselbst fungiert gegenwärtig Herr Joel Rabinowih als Rabbiner, der früher 23 Jahre in gleicher Eigenschaft in der Caplkadt thätig lvar. Er erfreut sich in seinem neuen Wirkungskreise großer Anerkennung anch von nichtjüdischer Seite wegen seiner erfolgreichen Thätigkeit im Dienste der Religion und Humanität/ Weferale und Mtleitungen. Im Kommissionsverlage von Karl Klebelen in München ist erschienen: „Das Judentum im Spiegel der Geschichte. Ein Mahnruf an das deutsche Volk. Von Friedrich Freimund". Der Verfasser macht die soziale Stellung des Judentums im Allgemeinen zum Gegenstände einer historisch-philosophischen Betrachtung, in welcher ohne Haß und Liebe, Licht und Schatten gleichmäßig verteilt sind. Der erste Teil der Abhandlung „Diaspora und Verfolgung des jüdischen Volkes" bildet nur die Einleitung zu dem, was der Verfasser behandeln wollte, nämlich „das Judentum seit seiner Emanzipation". Er kommt dabei natürlich auch auf den Talmud zu sprechen, den er nur aus trüben Sekundärquellen kennt, hebt aber hervor, daß auch die lateinischen Codices der Kasuistiker der christlich-theologischen Litteratur ein ebenbürtiges Material aufweisen. Wir möchten dem Herrn Verfasser nur zu bedenken geben, daß für den großen Teil der gebildeten Juden der Talmud wohl religionsgeschichtliche, aber keine religionsgesetzliche Bedeutung hat. Es ist wohl nur eine unklare Ausdruäsweise, wenn der Verfasser verlangt „den Talmud muß das jüdische Volk aufgeben." Der Talmud ist eine religionsgeschichtliche Entwicklungsphase, die

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