Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969762--2312-2972490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
157 und aufmerkt der Ewige und höret, und geschrieben wird ein Buch des Gedächnisses vor ihm für die Gottesfürchtigen und für die, welche seinen Namen achten." Da weiß ichs aber nur von Zweien; woher daß sogar Einem, der da sitzet und sich mit der Lehre beschäftigt, der Heilige — gelobt sei Er! — den Lohn bestimmt? weil es heißt (Klaget. 3, 28): Er sitze einsam und sei stille, weil Er es ihm auferlegt." Die Hadrianische Verfolgung (c. 130—138 n. u. Z.) hatte es hauptsächlich auf die Lehre und ihre Träger, die Gesetzeslehrer, abgesehen und suchte dadurch mit scharfem Blick den tötlichsteu Punkt des Judentums zu treffen. Chanina (oder Chananja) ben Teradjon, welcher sich in dieser Erkenntnis dem römischen Verbote mit seinen Genossen nicht fügen mochte, war vielmehr entschlossen, lieber sein Leben als die Lehre aufzugeben, wie er denn auch selbst öffentlich zu lehren sich nicht gescheut und dafür schließlich nebst seiner Thora verbrannt ward. Entgegen dein strengen Verbot Hadrian's ermahnte er zur Fortsetzung des Studiums und zur Beschäftigung mit der Lehre, — einer Beschäftigung, welcher man furchtlos sich jederzeit, sei es in Gesellschaft, sei es in der Einsamkeit hingeben sollte, weil mau durch sie in die über alles erhebende und schützende Nähe der Gottesherrlichkeit gelangte, das künftige Heil gewänne und in der Zukunft belohnt würde. 3. „Rabbi Simon sagt: Drei, welche an einem Tische gespeist haben, ohne dabei Worte der Lehre zu sprechen, haben gleichsam Toteuopfer (d. i. Opfer der toten Götzen, s. Ps. 106, 28) gespeist, denn es heißt (Jes. 28, 8): „Denn alle Tische sind voll des Gespeies von Unflath, ohne Gott (eig. ohne einen Ort, der rein wäre)"; aber Drei, welche an einem Tische gespeist und Worte der Lehre gesprochen haben, haben gleichsam vom Tische Gottes gespeist, denn es heißt (Jech. 41, 22): „Und er redete zu mir: Das ist der (rechte) Tisch, der vor dem Ewigen stehet" (d i. bei dem man durch die Beschäftigung mit der göttlichen Lehre vor dem Ewigen weilet)". Zu den Genossen des R. Chanina b. Teradjon, welche sich trotz des rönlischen Verbots doch eifrig mit der Lehre befaßten, gehörte auch R. Simon ben Jochai, der eifrige Schüler R. Akiba's. Dieser Lehrer, welcher wohl nur aus dem Grunde (in scheinbarem Gegensätze zu R. Chanina, s. 3, 2 b) die Zahl Drei betont hat, weil er des Oefteren gerade mit zwei anderen Genossen, mit R. Juda und R. Jose zusammenkam und disputierte (vgl. Weiß., a. a. O- II, 160), wollte sogar die Essenzeit nicht ohne den höheren Genuß des himmlischen Manna's verbracht und unbenutzt wissen in der politisch traurigen Zeit. 4. „Rabbi Chanina, Sohn des Chachinaj, sagt: Wer in der Nacht wacht, allein des Weges zieht und sein Herz nichtigen Gedanken zuwendet, siehe! der verschuldet sich an seiner Seele". Auch der Verfasser dieses im Censurftile der Apokalypse gehaltenen Spruches, welcher zu den zehn Märtyrern des Barkochbakrieges (132—135 n. u. Z.) gezählt wird, mahnt nachdrücklich — entgegen dem strengeu römischen Verbote — zur Beschäftigung mit der Gotteslehre, indem er dem Sinne nach Folgendes sagt: Wer in der Nacht der Verfolgung lebt, wer darum nicht mit Anderen zusammen im Lehrhanse den Vorträgen lauschen kann und sich mit allem Nichtigen, nur nicht mit der Lehre beschäftigt, begeht eine Sünde. 5. „Rabbi Nechunja, Sohn des Hakana, sagt: Wer das Joch der göttlichen Lehre auf sich nimmt, von dem wird das Joch der Herrschaft und das Joch der weltlichen Sorgen abgenommen: aber wer das Joch der göttlichen