Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Drr." — „Ich werde um Dich sterben, Plntin," sagte Hadaßka, „aber ich kann denen, die mir das Leben gegeben, nicht ungehorsam sein." „Viel sah ich Traumgestalten Wehmütig vorüberziehn, Im Sinn Hab' ich behalten Hadaßka und Plutin." Viktor v. Scheffel. Aie Sprüche der Mter und ihre historischen Beziehungen. Von Rabbiner I)i\ S. Friedman» in Lublinitz. (Fortsetzung.) 1. „Akabja, Sohn Mahalalel's, sagt: Merk' auf drei Dinge, damit du zu keiner Uebertretung kommst: Wisse, von wo du gekommen bist, wohin du gehest und vor wem du im Gericht Rechenschaft ablegen wirst. Von wo bist du gekommen? Von einem faulen Tropfen; wohin gehest du? An den Ort von Staub und Gewürm; und vor wem wirst du im Gericht Rechenschaft ablegen? Vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen — gelobt sei Er!" — Dieser, Demut und Gewissenhaftigkeit predigende Spruch des alten Priesters, eines Zeitgenossen des weisen Hillel, bietet zugleich die Erklärung für sein Verhalten gegenüber seinen Genossen im Synhedrium. Als bei einer Diskussion über einzelne Halachoth sich heftiger Widerspruch von Seiten seiner Kollegen gegen ihn erhob, beharrte er doch bei seiner Tradition, selbst als ihm für etwaige Nachgiebigkeit die Würde des Ab-Beth-Din in Aussicht gestellt wurde: er hielt es eben für gewissenlos, die eigene Ueberzeugung, die Tradition, die er selber überkommen, anfzugeben, und war demütig genug, selbst Verlockungen zu widerstehen. (Vgl. Weiß. a. a, O. l, 176). 2;i. „Rabbi Chanina, der Priestervorsteher, sagt: Bete für das Wohlergehen der Herrschaft, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde Einer den Anderen lebendig verschlingen." Diesen Spruch der Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels zuzusprechen (Weiß. a. a. O. t, 191), scheint uns unstatthaft, denn in jenen Tagen, wo durch die römische Herrschaft so viel Leid und Not verursacht wurde, hätte wohl Niemand, selbst aus der Partei der Gemäßigten, gewagt, für dieselbe zu beten. Vielmehr gehört er, welcher dem Worte entspricht, das Jirmija (29, 7) an die zur Zeit Jechonja's nach Babel hinweggeführten Judäer gerichtet hat, der späteren Zeit an. Da war der Haß zwischen de» jüdischen Plebejern und Patriziern, zwischen dem Am Haarez und dem Talmid-Chacham, ein so erbitterter, daß ohne den Schutz der römischen Herrschaft, welche sogar die Erlaubnis erteilt hatte, in Jabne ein Lehrhaus zu errichten, die Existenz eine lebensgefährliche gewesen wäre (s. oben II, 11). 2I>. „Rabbi Chanina, Sohn des Teradjon, sagt: Zwei, welche beisammen sitzen, ohne sich über Worte der Lehre zu unterhalten, siehe! das ist ein Kreis von Spöttern, denn es heißt (Ps. 1, 1—2): . . . Und im Kreise der Spötter nicht sitzet . . ."; aber Zwei, welche beisammen sitzen und sich über Worte der Lehre nilterhalten, unter ihnen weilt die göttliche Herrlichkeit, denn es heißt (Mal. 3, 16): Dann bereden sich auch die Gottesfürchtige» mit einander,