Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Mädchen, Hadaßka! Nie hätte ich gedacht und Niemand geglaubt, daß ein Weib, daß eine Jüdin so sein kann. Aberdenken Sie an mich. Auch Ihnen wird Ihre Schönheit Unheil bringen. Man ist nicht ungestraft genial, und man ist auch nicht ungestraft so schön, wie Sie es sind." Es kam aber der Tag, wo das Unglaubliche vollbracht war und Hadaßka den Judenraphael vollständig bekehrt hatte. Als Plutin ihr mitteilt, daß er sie zu malen beabsichtige, bittet die herzige Maid: „Male mich so wie du willst, in Hermelin oder in Lumpen gehüllt, nur ja nicht in einem Bilde, das die Juden beleidigt." Das Gemälde ist vollendet und durchaus gelungen. Mit Entzücken beschaut die Liebende ihr Bild und als sie vor dem Künstler niederkniet und begeistert seine Hand küßt, bricht der ehemalige Judenfeind, zu Hadaßka sich wendend, in die schönen Worte aus: „Was thust Du, Engel des Himmels? O, Du reines, Du gütiges Herz! Du hast alles von mir genommen, was ich bisher gelitten habe, und das war nicht wenig." — Eine zweite Iphigenie! — Traulich saßen eines Tages die Liebenden in der Laube des Kaufmanns allein, als Plutin folgendes zu Hadaßka sprach: „Hadaßka, Du Einzige, mein Herz, mein Leben, hast Du noch nie daran gedacht, was aus uns, aus unserer Liebe werden soll? Kannst Du den Gedanken fassen, Dich von mir zu trennen? Ich nicht, ich kann nicht sein, nicht atmen ohne Dich. Und können wir hoffen, daß wir uns je angehören werden?" „Niemals, Plutin, niemals," gab Hadaßka traurig zur Antwort. „Ich kann Dich nicht lassen, aber ich darf meine Eltern nicht in das Grab bringen. Du wirst mich nicht verstehen, denn nur ein Jude weiß, was bei uns die Familie ist, aber ich könnte selbst als Dein Weib, Plutin, niemals glücklich sein, ohne den Segen meiner Eltern, und sie würden mich verfluchen, wenn ich mich taufen ließe, sie würden ihre Kleider zerreißen und auf der Erde sitzend das Kadisch für mich beten, wie für eine Tote." Als Plutin sie dennoch zu überreden sucht, fährt die gehorsame, die Liebe der Pflicht nachsetzende Tochter fort: „Sei nicht ungerecht, Plutin, ich bin nicht hart, ich bin nicht grausam, ich bin es nicht gegen Dich, ich will es nicht gegen meine Eltern sein. Jchbeklagemich nicht. Gott hat uns gerade deshalb lieb, meine ich, weil er heilige Schranken zwischen uns aufgerichtet hat. Eine Liebe wie die unsere kann nicht schlicht und bürgerlich unter den Menschen wohnen." „Nennst Du das aber leben, Hadaßka," fragte Plutin, wenn uns dieses Wesen, das wir lieben, das für uns geschaffen ist, dessen wir so sehr bedürfen, ewig fern bleibt?" „Wie lange währt dieses Leben?" versetzte Hadaßka. „Ist es viel mehr als ein Schatten, der vorübergleitet, und kann uns dann noch Jemand trennen? Die Liebe ist der feurige Wagen, der uns über diese Welt emporträgt." Nach der Verlobung mit Lebele Hirsch richtet Hadaßka an Plutin die herzzerreißenden Worte: „Sie haben mich verkuppelt. Ich will seine Frau nicht werden, aber mein Vater, meine Mutter, wie sie mich martern, wie sie mir das Herz zerfleischen! Ich muß gehorchen, Plutin, ich muß, sie werden mich sonst verfluchen. Du wirst mir nicht fluchen. Wozu auch? Ich werde es so nicht überleben." Plutin: „Ich töte Jeden, der dir naht." Hadaßka: „Nein, Du darfst Dein Leben nicht in Gefahr bringen. Ich soll das Opfer sein, so sei es denn! Denke daran, was ich Dir sage: ich werde sterben, ehe ich das Weib eines Andern werde." „Ja, es ist besser so", murmelte Plutin, „Du wirst sterben, und ich mit