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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-07-01 · Heft 7 (1.7.1888) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (1.7.1888)
Date
1888-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 Viele edle Frauengestalten hat er uns vorgeführt, doch keine gleichet nur annähernd dem bezaubernden Engelsbild, der Hadaßka im „Judenraphael". Je gemeiner und verachtenswerter die Umgebung Hadaßkas, desto leuchtendre und herzerhebender tritt aus dem dunklen Hintergründe der Laster glänzend die Tugend hervor. Eine Oase in der Wüste, eine Perle in Schlamm und Koth. Hadaßka, die Tochter des Kaufmanns Gerson Chefez, ist nach der Schilderung des Dichters eine Seltenheit an Tugend und Schönheit. Hören wir ihn selbst: „Als wieder die Thüre aufgieng, trat ein schönes Mädchen, von Kopf bis zu den Füßen in einen langen, dunklen Pelz gehüllt, in das Zimmer. Es war Hadaßka. Wie sie jetzt an der Thür stand, war-sie wie ein Meisterwerk Rembrandts anzusehen, so hell und herrlich hob sich ihr Kopf von dem schwarzen Sammt, den schwarzen Fellen und dem braunen Holzgrunde ab." Der Judenraphael — eilt berühmter Maler — staunt sie wie ein Wunder an und als sie erst aus dem weichen Dunkel ihres Pelzes, wie ein Engel aus dem Düster der Nacht, hervorkömmt, und ein Lächeln so hold, wie der erste Atem des Frühlings über ihre zugleich so kindlich reinen und so weiblich verlockenden Züge streicht, da wird es dem Judenraphael — einem Christen — so seltsam ums Herz, so wohl und wehmütig zugleich. „Ihre großen, milden Augen waren wie die blauen, leuchtenden Thore des Himmels, durch welche die Engel ein- und ausgehen." Die liebliche Rose Sarons verliebt sich in den die Juden karrikierenden Maler Plutin. Plutin, der Judenraphael, der Spötter und — Antisemit vergöttert die holde Maid und aus grenzenloser Liebe zu seinem Ideal läßt er Persiflage und Haß gegen die Glaubensgenossen Hadaßka's fahren. Der Vater, welcher die Liebe und Neigung seiner Tochter zu eineni Nichtjuden bemerkt, verlobt dieselbe eiligst mit einem häßlichen, gemeinen und daher die Braut anwidernden Stammesgenossen Lebele Hirsch. Hadaßka fällt an ihrem Hochzeitstage mit genanntem Hirsch, nachdeni sie noch einmal mit Plutin getanzt, vom Schlage getroffen, tot im Saale nieder. Plutin entsagt der Welt und den Tod herbeisehnend stirbt er freudig in der Einsamkeit. Nach dem Hinscheiden seiner Geliebten hatte das Leben jeglichen Reiz für ihn verloren, selbst die Kunst vermochte seinem gekränkten Dasein keinen Wert mehr zu verleihen. Als er den Tod nahen fühlt, bricht er in die erhabenen, den Gipfelpunkt aller Tragik bildenden Worte aus: „Endlich kommst du, du, den ich so lange und sehnsüchtig erwartet habe. Nicht als schreckliches Gerippe mit der Sense nahest du, nein, auch nicht als schöner Jüngling mit der verlöschenden Fackel, nein, ich sehe dich kommen, ein holdes Mädchen, mit einem Lächeln um die Lippen, die Sichel in der Hand! Komm! Ach, komm, du schöne Schnitterin, das Korn ist reif!" Rede Hadaßka, damit wir dich sehen! „Plutin, der Maler," spricht die Maid, „ist der Hainau unter uns; aber ich glaube nicht, daß er ein Bösewicht ist. Wie kann ein Künstler, dem Gott einen Funken seiner eigenen Schöpferkraft in die Brust geworfen, ein böses Herz haben?" Als man ihr ermiedert, daß Plutin die Juden hasse, und Hadaßka ihm deßhalb gewiß seinen Tod wünschen würde, antwortet Chefez Tochter: „Nein, gewiß nicht. Er kennt uns Juden nicht, oder vielmehr er kennt nur unsere schlechten Seiten, denn wie jeder Mensch, hat auch jedes Volk solche; ich würde ihm also unsere guten Seiten zeigen und ihn von seinem Haß bekehren." Hierauf fährt sie fort: „O, wenn ich nur allen Haß und Neid und jede Zwietracht aus der Welt tilgen könnte, wie glücklich wären da die Menschen." Plutin entgegnet: „O, was sind Sie für ein

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