Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Ganz dieselbe Erklärung finden wir in den jüdischen Traditionsschriften. Die Angaben über die ungeheuren Schätze, die Salomo in seines Vaters Grab gelegt, und von denen zu wiederholten Malen Hohepriester und Könige in der Zeit der Not Tausende von Talenten entnommen hätten, ebenso die Mitteilung, daß Salomo Zauberkraft besessen und Sprüche hinterlassen habe, um Krankheiten zu beschreien, und Beschwörungsformeln, um den bösen Geistern Gewalt anzuthun, hat Josephus, — dem im Volke verbreiteten und allgemein für wahr gehaltenen Sagenkreise entlehnt, — und auch er will seinen Lesern kein Märchen auftischen, sondern erzählt diese Absonderlichkeiten im guten Glauben an ihre Richtigkeit. Noch eine übergroße Anzahl von Beispielen ließe sich anführen, aus denen erhellt, daß Josephus für seine Berichte stets eine Quelle hat und dieselbe im Wesentlichen gewissenhaft benutzt, daß er also nicht der Fälscher ist, für den man ihn vielfach ausgegeben, aber wohl nur deshalb ausgegeben, weil die Leser seiner Werke mit der weit ausgedehnten Litteratur, aus welcher er geschöpft, nicht vertraut waren. Den christlichen Gelehrten, die sich mit Josephus befaßten, war die jüdische Tradition fremd, und sie erblickten willkürliche Zusätze und Veränderungen, wo er uns der getreue Jünger und Nachbeter seiner ehemaligen jerusalemischen Lehrer ist, den wenigen jüdischen Gelehrten, welche in früherer Zeit die Werke des Josephus studiert haben, standen die Pforten zu der Rüstkammer nicht offen, aus denen er manche schneidige Waffe zur Verteidigung des Judentums, manchen glänzenden Schild, welcher der Römer Augen blenden sollte, entlehnt hat, die griechische Litteratur, die Werke der Alexandriner waren ihnen unbekannt, und Josephus galt ihnen daher als geistreicher Erfinder, oder, was dasselbe sagen will, als gewissenloser Berichterstatter und Geschichtschreiber. Erst jetzt ist es möglich geworden, ein einigermaßen kompetentes, von Voreingenommenheit freies Urteil über Josephus anznbahnen, und ich zweifle nicht, daß weitere Forschungen nur dazu beitragen werden, ihn von dem Verdachte wissentlicher Fälschungen der Wahrheit zu reinigen und seinen jüdischen Antiquitäten für alle Zukunft eine hohe Bedeutung zu sichern. Drei jüdische Mädchengestatten. Von W. Frank. II. Wir beabsichtigten hier eine Jüdin, ein Geisteskind Sacher Masochs, eines Dichters vorzuführen, der von sich bei seinem fünfundzwanzigjährigen Schriftstellerjubiläum in Leipzig zu sagen vermochte, daß er sich zun« Fortschritt bekannt, die Fahne der Toleranz hoch gehalten und stets ein Feind des Rückschritts, des Völkerhasses, des Religionshasses gewesen sei. Sacher Masoch ist einer der talentvollsten Romanciers dieses Jahrhunderts. Obschon Slave von Geburt, war er deutscher Student und hat seine herrlichen Werke in klassischem Deutsch geschrieben.