Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Alle Wünsche des Erdenseins Kannte und sang der Fremdling, — Sein Lächeln, sein Weinen war lieblich. Meinen Jammer kanntest du Fremdling; Mein Trost blieb dir verborgen." Einen der köstlichen aber von den zahllosen Trostesstrahlen, welche seine Religion in des Israeliten Gemüt auch in den widrigsten Zeiten sendet, folgendes Gedicht ha; ihn aufgefangen. Es ist „der Gruß des Sabbats". „Das Wort meines Gottes ist trenlich erfüllt; Sechs Tage Hab' ich im Schweiße des Angesichts Mein Brod gesucht, mir und den Meinen; Jetzt konim', du festliche Ruhe, Komm', du stiller Sabbath! Hell flammen die Lampen und festlich umher, Die Lampen, die meine Hausfrau entzündet hat; Ein Licht jedem Tage der Arbeit, Eines dem Tage der Ruhe. Komm', du stiller Sabbat! Ob denn die Fenster auch wohl verschlossen sind? Und sind die Läden der Fenster auch wohl verwahrt? Der Fremdling darf meinen Trost nicht schauen, Den Trost am Tage der Ruhe. Komm', du stiller Sabbat! Daß er nicht sehe, wie fröhlich ich bin, Getrost und froh meines Erlösers bin! Er darf nicht den Jubel hören, Wenn ich Gottes mich freue. Komm', du stiller Sabbat; Stören würde seine Bosheit den Ruhetag, Mit Plagen, wie er mich plagt und schilt; Mit Spott seines Mundes, wie er Mich sechs Tage gequälet hat. Komm', du stiller Sabbat! Zum Zelt meines Gottes verwandelt bist du, Mein Haus; und du, meine Kammer, zum Heiligtum Jerusalems festlich ausgeschmücket, Und Rauchwerk duftet und wallet. Komm', du friedlicher Sabbat! Tritt näher, mein Sohn; komm', meine Tochter, Ich lege die Hand auf euer Haupt und segne euch; Geht auch zur Mutter, daß sie euch segne; Bleibt Gott treu! Duldet und harret! Komm', du stiller Sabbat!" „Duldet und harret!" — Das ist der ständige Mahnruf des Dichters an seine Brüder, denn unerschütterlich fest steht es ihm, daß den wahrhaft Getreuen unter der schaurigen Decke der Unbilden eine Fülle von Seligkeit sprießt.