Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1888)
- Date
- 1888-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Ach mein Herz ist geplagt, Mein Geist ist umnachtet, Seh' ich die Brüder, seh' ich den Fremdling. Denn der Fremdling lachet mein Spottet hinter meinem Rücken, Und mich zu kränken ist ihm Wollust. Und auch der Bruder mißkennt mich; Dem Fremden, dem Bruder ein Räthsel Und beiden Haß und Mißgunst. Wann athmet Obadjah's Brust frei? Wann wandelt er deine Pfade? Wann ruht er an deinen Strömen? Wann schallt er zurück in Freuden Gen Osten, weil sein Gebein ruhen wird Im heiligen Grunde des freien Erdreichs?" Indes der Kummer überwältigt nicht des Dichters Brust, er kennt die Fülle inneren Glückes, das dem Juden kein Mächtiger zu rauben vermag. In diesem Sinne läßt er weiter seine Harfe erklingen; er läßt sie erklingen mit edlem Stolze gegen den hochsinnigen englischen Dichter, der in seinen „hebräischen Melodien" so warme Töne des Mitleids für Israels Leiden angeschlagen, aber für „die tiefe erhaltende Kraft jenes zerknirschten Herzens, das punctum saliens unseres Trostes" das rechte Verständnis vermissen ließ. Die Melodien Byrons tragen wohl die Gefühle der Wehmut, und geben das Bild einer zwar im Sinken großen und großartig leidenden, allein doch immer sinkenden Nation." Nein! ruft Steinheim, „nicht verwittwet ist Israel!" Unendlich wie seine Leiden sind auch seine Freuden. „Meinen Jammer kanntest du, Fremdling; Mein Trost blieb dir verborgen! Der Fremdling sang meine Sehnsucht, Mein Schmachten nach dem Gute der Freiheit; Denn der Fremdling kannte die Freiheit. Der Edle starb für die Freiheit. Er sang die Schmach Israels, Seine Leier klagte zur Harfe, Unter Thränen Zions Erinnerung, Denn er kannte die Schmach der Knechtschaft. Er sang den Zorn Israels Seine Lieder tobten mit Zijons; Er ergrimmte dem Unterjocher, Er selbst vom Volke der Feinde. Unsere Hoffnung sang der Fremdling, Die Hoffnung kannte der Edle, Auf den großen Tag der Erlösung, Auf die Rückkehr in die Heimat. Schmach und Sehnsucht, Zorn und Hoffnung,