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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 142

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 142 (sequence 22)
Language
German
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142 Monotheismus eines Tages Universal-Glauben wird, darüber mögen mit Recht Zweifel obwalten, denn es ist dies ein offenes Problem. Gewiß ist indessen, daß der unverfälschte Judaismus den hohen Sinn für Moral im rechten, oder besser im gerechten Lebenswandel wesentlich gefördert hat. Der Judaismus hat denn auch dem hebräischen Nationalcharakter ein eigenes Gepräge aufgedrückt in der Weise, daß er sich nicht blos in einer gewissen Energie der Intelligenz und im Willen, sondern mehr noch in den reineren Sittengesetzen und in einer edleren Lebensphilosophie deutlich widerspiegelt. Als Zeugen für die Wahrheit verweise ich auf klassische Schriftsteller wie Cicero und Ta ci tus- Beide berichten übereinstimmend, daß die Juden, nachdem man sie in Ketten als Sklaven nach Rom geschleppt, die intellectuelle, sociale und moralische Entwicklung plötzlich in allen Städten sichtlich in die Höhe schnellten. Ebenso kann kein Einsichtsvoller bestreiten, daß der jüdische Einfluß nicht minder entscheidend auf die griechische Cultur eingewirkt hat. Sie war es, welche zuerst dem Zenon, dem Kleanthes und darauf dem Sokrates, mehr aber als ihnen dem Platon die höchsten ethischen Theorien inspirirte." — In Betreff der Judenmission verdient folgende Notiz Beachtung : Es giebt im Ganzen 47 protestantische Missionsgesellschaften mit 377 Missionsarbeitern auf 135 Stationen mit einer Jahreseinnahme von 1,800,OM Mk. Grostbritanien bringt allein IV2 Million für Judenmission auf, es kommen dort 5 Pf. auf den Kopf, in Deutschland kommt noch nicht V* Pfauf den Kopf, denn die 28,300,OM Protestanten leisten nur einen Beitrag von 63,780 Mk. jährlich zu diesem Zwecke. In Skandinavien entfällt fast ein Pfennig auf den Kopf. — Am 30. März starb in London ein höchst talentvoller jüdischer Schauspieler, Z. Gradner, geboren 1844 in Mohilew. In jüdischen Theatern in Südrußland und Rumänien haben seine Leistungen große Anerkennung gefunden. — Der bisherige Direktor des von Montefiore in Ramsgate gegründeten „Judith-College" Herr Dr. Lome, trat von seinem Amte zurück. Die Stelle wurde Herrn Dr. Goller, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde in London, übertragen. — In Uercrlli starb Herrr Rabbiner Pontremoli, der Begründer der ersten israelitisch-italienischen Zeitschrift „Educatore israelita“. Er war in Jvrea 1818 geboren. — Herr Giacomo Malvano in Koni, ein Jude, wurde zum italienischen Gesandten am japanesischen Hofe ernannt. — In Raren; soll dem großen Patrioten Daniel Manin ein Denkmal gesetzt werden. Der zu ehrende Dictator von Venedig, aus dem Jahre 1848, war Jude von Geburt. - Die Königin von England besuchte die Synagoge in Floren; und spendete aus diesem Anlässe 500 Sire für jüdische Arme. — Zu Ostern ist diesmal nach alter Sitte vom Cardinal-Dicar Taralchi in der Lateran- Kirche zu Koni ein jüdisches Ehepaar getauft worden. Die beiden Convertiten wurden vom Papste reichlich beschenkt. — Am 20. März feierte Herr Kreisrabbiner Ä. Zuckermann in Kiew sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. — An der Universität in Kiew wurden auch ztvei jüdische Studenten Herr «tncl. zur. Leon Weinstein und Herr 8tud. med. Josef Klein durch Verleihung von Medaillen ausgezeichnet. — Herr Schapiro, Rabbiner von Jalta, wurde wegen vorgeblicher Beteiligung an nihilistischen Umtrieben verhaftet und in das Gefängnis nach Kamenez-Podolsk überführt. — In Ödest» erhielten an 20M Inden die behördliche Weisung, sich innerhalb Wochenfrist zum Verlassen der Stadt bereit zu halten. — In Finnland hat die Regierung beschlossen Juden, die im Lande nicht geboren sind, auszuweisen. — Aus Zt. Petersburg berichtet man von dem Tode des Herrn Staatsrat v. Warschawstu und des Herrn Geheimrat Baron S. v. Polyakoff.

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