Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1888)
- Date
- 1888-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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140 seiner Privatcasse. — Die ,,Chewra Kadischa“ (heilige Genossenschaft) in Budapest hat im verflossenen Jahre 30,772 Gulden zur Unterstützung und zur ärztlichen Behandlung von Armen verwendet. Eingenommen wurden im abgelaufenen Jahre 105,074 fl. ö. W. ausgegeben 102,547 fl. ö. W. — Die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde in Prag hat anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers von Oestereich 25,000 fl. ö. W. für den Bau eines Siechenhauses und 4000 fl. ö. W. für die Handwerkslehrlings-Stiftung bestimmt. — Der Abgeordnete Herr Wrabetz hat zur Begründung eines von ihm gestellten Antrags, betreffs der Revision der Konkursordnung im Abgeordnetenhause in Wien, am 10. April geäußert, ihm sei es vollständig gleichgültig, ob der Cridatar, Jude, Christ oder Muselmann sei. Er betonte, die Juden haben eine Neigung zum Ausgleiche, die Christen bleiben einfach Alles schuldig und man bekömmt nicht einmal dreißig Procente von ihnen. — Der Abgeordnete Herr vr. Ziist in Wien brachte jüngst im Budgetausschusse des Abgeordnetenhauses die Religionslehrtexte zur Sprache und wies auf solche von Herrn Dr. G. Wolf hin, deren Ton sich die christlichen Lehrtexte zum Muster nehmen sollten. Aus katholischen Lehrtexten las er Stellen vor, die geradezu unsittlich genannt zu werden verdienen und aus protestantischen solche sehr zweideutigen Charakters. — Durch die großen Ueberschwemmungs-Katastrophen in Ungarn droht Tisza-Esstar vom Erdboden zu verschwinden. Das Andenken an diesen Ort bleibt gesichert durch die mittelalterlichen Vorgänge, die sich dort abspielten. — In das Bethaus der „Sefardim" in Temesvnr wurde beim Abendgebete durchs offene Fenster geschossen. Der Rabbiner percra, über dessen Sitz sich die Kugel in die Wand bohrte, hat nur dem Umstande, daß er zufällig gesessen, es zu verdanken, daß er am Leben geblieben. Der Unthäter ist nicht ermittelt worden. — In Jlcutra ist es dem dortigen Domcapitel Vorbehalten geblieben, die lächerliche Verfügung zu treffen, auf den ihm gehörenden Weiden Kühe, deren Eigentümer Juden sind, nicht mehr zuzulassen. — Am 5. Mai wurde Herr von Schönerer in Wien vom dortigen Gerichtshöfe des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, begangen in der Nacht vom 8. zum 9. März, durch Eindringen in das Redactionsbureau des „Neuen Wiener Tagblatt", woselbst der Redacteur mißhandelt werden sollte, für schuldig befunden und zu vier Monaten schweren Kerkers, zwei Fasttagen im Monate und zum Verlust des Adels verurteilt. — Man schreibt uns : Der Herr Hofprediger Prof. I)r. Clemens Kinkh hielt am Ostersonntag in der Hofburg- Pfarrkirche zu Wien eine Predigt über den Text: „Der Friede sei mit Euch"! Zum Schluffe der Predigt sprach Hofprediger Di-. Kinkh die folgenden Worte: „Osterfeiernde Welt, wie kommt es denn, daß heute, entgegen der Friedensbotschaft des Auferstandenen, die Welt in Waffen starrt, daß Mißtrauen ein Volk gegen das andere erfüllt und die Söhne eines Landes gegen jene des anderen sich in wildem Zwist befehden? Daß selbst die Söhne ein und desselben Landes in wildem Racenkampf und Nationalitätenhader sich das Leben verbittern, uneingedenk der mahnenden Segensworte: Friede sei mit Euch! Osterfeiernde Menschheit, so solltest du, so sollte die Christenheit nicht Ostern feiern! Wenn man diese aufreibenden, zersetzenden Kämpfe der Menschen unter und gegen einander beobachtet, dann möchte man glauben daß ein anderes Wort des Heilands in Erfüllung gehe, daß Volk gegen Volk sich erheben werde- Aber dieses Wort gelte ja von den letzten Zeiten, in denen der Herr selbst wieder als Richter auf die Erde kommen wird. Osterfeiernde Menschheit, verfrühe doch nicht die Erfüllung dieser Heilandsworte und halte Frieden, den Frieden, welchen die Welt