Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1888)
- Date
- 1888-06-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Ehrlich aus Können-, der orthodoxe Rabbiner Herr Kornfein aus Steinamanger und Herr Rabbiner Moritz Ehrlich aus Kechnitz. Der Körmender Rabbiner wurde auch zum Leichenbegängnisse des Güssinger Arztes Herr Josef Planer berufen, der eine sehr lange Reihe von Jahren daselbst segensreich gewirkt hat. Die Theilnahme von Seiten der Bevölkerung war eine allgemeine, Christen wie Israeliten beteiligten sich mit gleicher Wärme an beiden Leichenbegängnissen, da beide Verstorbene sich besonderer Sympathieen erfreuten. Herr Rabbiner Ehrlich hat durch seine Rede den Namen unseres Stammes bei den Nichtisraeliten verherrlicht. — Herr Lehrer M. Eichner schreibt uns: Ein schmerzlicher Schicksalsschlag traf unsere israel. Cultusgemeinde zu Jtytö St. Milrlös. Herr Dr. Kiedrich illltnan hat nach kurzem Leiden am 13. April in seinem 62. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. Der Tod raffte ihn in der Mitte seines heilsamen, tatkräftigen Wirkens für Gemeinde und die Menschheit plötzlich hin. Er war seit einer Reihe von Jahren Gemeinde-Vorsteher. Seiner Energie war es nach langem Kampfe gelungen einen trefflichen Rabbiner zu engagieren. Er war Direktor der gut situirten Sparkasse, die er ins Leben rief. Sein Name war es, der das volle Vertrauen in sich schloß. Er war Mitglied des Verwaltungsausschusses des Liptauer Comitates, Gerichtsarzt, Mitglied des Schulstuhles und genoß die ungeteilte Achtung aller Mitbürger ohne Unterschied der Konfession. Er hinterlietz eine trauernde Gattin und einen 92 jährigen Vater, dem der große Schmerz beschieden war, seinen trefflichen Sohn ins kühle Grab zu geleiten. Am 15. April fand das imposante Leichenbegängnis statt. Unser hochwürdiger Herr Rabbiner hielt in der Synagoge eine herzerschütternde Leichenrede, in der er die zahllosen Vorzüge des Verblichenen erwähnte. Es waren dies tief im Herzen empfundene Worte. Kein Auge blieb thränenleer. Es sprachen dann der Vizepräses I. Kahn im Namen der Gemeinde, ferner Herr Nuranoky Tamas im Namen des Honvöd-Vereins, Herr D. Bing sprach im Namen der Familie und Herr Dr. A. Koth als ältester Arzt im Namen der Collegen. Die nachbarlichen größeren Gemeinden schickten Vertreter. Ruhe seiner Asche! — In Wien starb Herr Morih Kitter v. Goldschmidt, Procuraführer des Hauses v. Rothschild. Derselbe, auS Irankfurt a. M. stammend, gehörte viele Jahre dem Vorstande der Wiener israel. Cultusgemeinde an. An seinem Sarge sprach Herr Dr. Ad. Iellinek ergreifende Worte des Nachrufes. Von seinen fünf Söhnen ist A-albert als Tondichter und Componist der „Sieben Todsünden" bekannt. — Es ist uns zugegangen: Worte der Trauer an der Bahre des Herrn Josef f. Kohn, am 15. April 1888, gesprochen von Dr. M. Klein, Oberrabbiner zu Gr. Becslrerrk. Der Heimgegangene war ein seltener Verehrer der jüdischen Wissenschaft und übte in engeren und weiteren Kreisen Werke der Menschenliebe. Ehre seinem Andenken! — In Wien starb am 13. April Herr Herrmann Bing. Er schrieb jüdische Dramen und eine kleine Schrift über den „Choreb" von Hirsch. — In Budapest starb am 3. April Frau Julie Gerson Spitzer, geboren den 30. September 1802 in Bajna. Sie war eine durch Humanität und Menschen-- liebe ungewöhnlich ausgezeichnete Frau und hatte die Wohlthätigkeitsinstitute reichlich bedacht. — Die Witwe des verstorbenen Dichters Dr. Leopold Kompert überwies dem Wiener Gemeinderate zur Anbringung im Bürgermeistersaale das Porträt ihres verstorbenen Gemals und dankte demselben dafür, daß einer Straße die Benennung Kompertstraße gegeben wurde. — In Budapest wurde eine Anstalt für jüdische Idioten ins Leben gerufen. Die Regierung bestimmte hiefür 50,000 fl. und der hochherzige Kaiser Iran; Josef 5000 fl. aus 11*