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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 138

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 setz Mosis gilt vom Juden zum andern; auf die Gojim hat es keinen Bezug, die dürfen sie bestehlen und betrügen." Nun geben Sie Acht, meine Herren! „Thut der Jude was im Talmud steht, ist es in unseren Augen ein Schuft; thut er es nicht, ist er in den Augen der Juden ein Schuft. Ein Schuft ist er auf alle Fälle." Es wurden Gutachten über den Talmud von Prof. Paul de Lagarde in Göttingen und von Prof. Cohn in Marburg eingeholt. Herr Staatsanwalt Bertram hat in seinem Plaidoyer die ganze Verwerflichkeit der antisemitischen Bewegung dargethan. Am 2. Mai würde das Urteil über Herrn Fenner gesprochen, welches wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft auf 14 Tage Gefängnis und Tragung der Prozeßkosten lautet. — Am 12. April hielt Herr Hofprediger Stöcker in Stuttgart einen Vortrag über die sociale und kirchliche Not in den Großstädten. Die Judenfrage berührte er dabei nicht. — Herr Prof. Dr. theol. Baumgarten in Kostock hat folgende Erklärung veröffentlicht: „Ich habe mich seit sieben Jahren überzeugt, daß Stöckers antisemitische clericale Agitation nicht blos, wie unser Kaiser Friedrich gesagt hat, eine Schmach für Deutschland ist, sondern auch die Gefahr einer Verfälschung und Schädigung des Christentums in sich birgt Diese meine Ueberzeugung habe ich oft in offenem Plan vertreten. Will Jemand diese meine öffentliche Meinung bestreiten, so trete er vor und komme aus Licht" — Herr Dr. Schöpf jub. k. k. Universitäts-Professor und Consistorialrat in Saftburg schreibt an uns: Geehrter Herr haben mir Ihre Monatsblätter freundlichst geschickt, in der meiner „Grandverwunderung" gedacht ist. Ich habe jedoch laut Beilage seit Januar viel mehr geschrieben, auf das Sie in nächster Nummer reflectiren können. Habe darob viel Schimpf und Spott seitens der rasenden Antisemiten zu erdulden gehabt, preise mich jedoch glücklich um der Gerechtigkeit willen Verfolgung zu leiden; denn so ist es Vorschrift unseres Heilandes. Seien Sie überzeugt, daß auch dieser Sturm an Israel, das ganz andere Stürme überdauert, vorübergehen wird und zwar in Bälde. Uodorata durant, vehementia non durant. Sollten Sie meiner Schriften gedenken, so ersuche ich uni die betreffende Numiner Ihrer Monatsblätter. Mit Brudergruß ergebenst. — In U.-Aboni) wurde Herr Dr. B Wajda von der Budapester Landes-Rabbinerschule zum Rabbiner erwählt und in Belovar Herr Dr. k>. Kohn. — In Cpgled trat Herr Dr. Josef Feldman» sein Amt als Rabbiner an und in Erlau Herr Dr. Ma» Schwär;. — Nach Lemberg wurde Herr Ä. A. Ettiuger, früher in Prrmysl, als Rabbiner berufen. — Am 22. April wurde in Wien das fünfundzwqnzigjährige Jubiläum des Direktors der israel. Kinderbewahrungsanstalt, Herrn A. I. Fischer und seiner Gattin, gefeiert. — Am 26. April wurde Herr Armin Ehreiijweig in Wien 8ud anspieiis Imperatoris zum Doktor der Rechte promoviert. — Am 24. November 1888 werden es fünfundzwanzig Jahre sein, seitdem das Beth-Ha- Midrasch in Wien durch Herrn Dr. Adolf Iellinek ins Leben gerufen wurde. — Am 5. Mai hielt der akademische Verein „Kadimah1' in Wien eine Gründungsfeier ab. — Am 21. März gelangte im Theater zu Lemberg das Trauerspiel „der König von Zion" von Alfred Uojsig zur ersten Aufführung und erzielte bei dichtbesetztem Hause einen glänzenden Erfolg. Das Stück wird jetzt seinen Weg durch die polnischen Bühnen nehmen und auch in Deutschland wird man dasselbe dem Vernehmen nach zur Aufführung bringen. — Man berichtet uns: Vor Kurzem haben wir einen sehr würdigen Greis, einen jüdischen Gelehrten der alten Schule zu Grabe getragen, Herrn Rabbiner Jakob Pollair in Giifliug. An seinem Sarge hielten drei Rabbiner Leichenreden u. zw.: Herr Rabbiner M. L.

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